Planet Varlor in „Alien im Wunderland“: Die Heimatwelt von Xyphor Venthax

Planet Varlor ist in „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend die Heimatwelt des Protagonisten Xyphor Venthax – kurz Xy, auf der Erde bekannt als Kirk. Während der Roman größtenteils in Deutschland spielt, entscheidet dieser eine fremde Planet darüber, wie sein Held die Menschheit wahrnimmt. Wer Varlor kennt, versteht plötzlich, warum Kirk an einer Tasse Kaffee scheitert, warum ihn Gehaltsabrechnungen fassungslos machen und warum er fünf Erdenjahre unterwegs war. Dieser Artikel sammelt, was der Roman über Planet Varlor verrät – spoilerfrei.

Planet Varlor in „Alien im Wunderland“: Die Fakten auf einen Blick

  • Atmosphäre: Methan-Stickstoff – für Menschen tödlich, für Varlorianer selbstverständlich.
  • Lebensform: siliziumbasiert statt kohlenstoffbasiert. Varlorianer sind chemisch etwas anderes als wir.
  • Ernährung: Nahrungsgranulat aus dem Materiesynthesizer. Geschmack ist kein Kriterium.
  • Wirtschaft: Geld wurde vor über 200 Orban abgeschafft. Roboter und Synthesizer erledigen die Arbeit.
  • Geschlecht: Varlorianer sind geschlechtslos. Fortpflanzung findet in der sogenannten Sternenbrunft statt.
  • Raumfahrt: kein Warp-Antrieb. Nur Kälteschlaf und Flüge nahe der Lichtgeschwindigkeit.
  • Zeitrechnung: gezählt wird in Orban. Zwei Orban Schiffszeit entsprechen etwa fünf Erdenjahren.

Klingt nach Utopie? Aus menschlicher Sicht schon. Eine Gesellschaft ohne Geldsorgen, ohne Hunger, ohne körperliche Arbeit. Der Haken: Sie ist auch ohne Geschmack, ohne Leidenschaft und, wie Kirk auf der Erde schmerzhaft lernt, ohne Schnitzel.

Kirk-Meme: Kirk vergleicht menschliche Technik mit dem, was er von zu Hause gewohnt ist — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Silizium statt Kohlenstoff: Wie das Leben auf Varlor funktioniert

Die Entscheidung für siliziumbasiertes Leben ist mehr als eine Fußnote. Sie erklärt, warum Xy nicht einfach im Raumanzug spazieren gehen kann und warum sein Aufenthalt auf der Erde eine technische Verwandlung voraussetzt. Ein Varlorianer atmet Methan und Stickstoff. Sauerstoff, dieses aggressive, alles oxidierende Gas, das wir liebevoll „frische Luft“ nennen, ist für ihn ein chemischer Angriff.

Dass Kirk später beim deutschen Essen in eine regelrechte Sinnesüberforderung gerät, hat also einen handfesten Grund: Sein Ausgangspunkt war graues Granulat aus einer Maschine. Der erste Kontakt mit Kaffee ist aus dieser Perspektive keine Alltagsszene, sondern ein biochemisches Ereignis.

Auch die Fortpflanzung folgt anderen Regeln. Varlorianer haben kein Geschlecht; alle 17 Orban gibt es die Sternenbrunft, und die entscheidende Frage lautet dann nicht „wer mit wem“, sondern „wer legt das Ei“. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Kirk mit unserer Zweiteilung in Mann und Frau so lange fremdelt.

Eine Gesellschaft ohne Geld – und was ihr fehlt

Der interessanteste Baustein von Planet Varlor ist ökonomisch: Vor über 200 Orban wurde dort das Geld abgeschafft. Materiesynthesizer stellen her, was gebraucht wird. Roboter erledigen die Arbeit. Niemand verkauft Lebenszeit, niemand verhandelt Gehalt, niemand besitzt mehr als der Nachbar.

Genau daraus zieht der Roman seine schärfste Satire. Ein Wesen, das nie eine Rechnung bezahlt hat, betrachtet unser Geldsystem nicht empört, sondern ratlos. Es versteht schlicht nicht, warum eine Spezies mit dieser Technik freiwillig acht Stunden täglich damit verbringt, Zahlen auf einem Konto zu bewegen. Kirks Beobachtungen zur Konsumgesellschaft funktionieren deshalb so gut, weil sie ohne moralischen Zeigefinger auskommen – da urteilt niemand, da staunt jemand.

Und ja, der Roman ist fair genug, auch die Kehrseite zu zeigen. Eine Welt, in der alles verfügbar ist, kennt kein Verlangen. Kein Wunsch, keine Vorfreude, kein Überraschungsmoment. Dass Kirk auf der Erde ausgerechnet den Mangel schätzen lernt, ist die feine Pointe hinter dem gesamten Gesellschaftsbild des Buches.

Kirk-Meme: Kirks Raumschiff rammt beim Anflug einen Satelliten im überfüllten Erdorbit — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Warum Planet Varlor überhaupt jemanden zur Erde schickt

Varlor hört zu. Seit Jahrzehnten empfängt der Planet unsere abgestrahlten Fernsehsignale – und interpretiert sie so, wie es jede höfliche Zivilisation tun würde: als Einladung. Star Trek gilt als Beleg für ausgeprägte Kontaktfreude, große Invasionsfilme eher als Warnhinweis. Dass wir uns diese Sendungen selbst ausgedacht haben, kommt niemandem in den Sinn.

Aus dieser Fehleinschätzung entsteht eine Mission, und aus der Mission ein Roman. Die Vorbereitung übernimmt Professor Zelpan, der Xy erklärt, was ihn auf der Erde erwartet – unter anderem Grillfeste, die er als „Feuerritual mit Trankopfer“ einordnet. Die Trefferquote dieser Ausbildung liegt später irgendwo zwischen ambitioniert und katastrophal, was den Reiz ausmacht. Wer sich schon einmal gefragt hat, was passieren würde, wenn Aliens die Erde besuchen, bekommt hier die unheroische Version.

Der Weg dorthin ist entsprechend unbequem: kein Warp-Antrieb, kein Beamen, sondern Kälteschlaf und ein Flug nahe der Lichtgeschwindigkeit. Und weil der Erdorbit inzwischen einem Parkhaus ähnelt, endet der Anflug mit einer Kollision und einem verlorenen Bauteil. Der erste Kontakt findet danach nicht in einer Hauptstadt statt, sondern in der nordhessischen Provinz, wo eine UFO-Sichtung am Edersee bestenfalls als Dorfgerücht durchgeht.

Was Planet Varlor über uns aussagt

Weltbau ist in guter Science-Fiction nie Selbstzweck. Varlor ist als Kontrastmittel konstruiert: Jede Eigenschaft dieses Planeten macht eine Eigenschaft der Erde sichtbar. Kein Geld dort, Dauerdruck hier. Synthetisches Granulat dort, Döner und Currywurst hier. Kein Geschlecht dort, ein ganzer Kulturbetrieb rund um Geschlechterrollen hier.

Kirk-Meme: Kirk kommentiert den menschlichen Fortschritt seit der Mondlandung 1969 — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Besonders unangenehm wird dieser Vergleich beim Thema Fortschritt. Eine Zivilisation, die Materie synthetisiert, schaut mit gemischten Gefühlen auf eine Spezies, die 1969 auf dem Mond stand und seitdem vor allem bessere Telefone gebaut hat. Kirks Notizen dazu sind höflich formuliert und trotzdem vernichtend – ähnlich wie seine Bemerkungen zum menschlichen Umgang mit dem eigenen Planeten, den er zunächst für erstaunlich schön hält und dann für erstaunlich schlecht behandelt.

Kleine Randnotiz für alle, die den Namen zum ersten Mal lesen: „Kirk“ ist ein selbst gewähltes Pseudonym nach Captain Kirk und kein Dienstrang. Oma Gerda denkt bei dem Namen ohnehin an Kirk Douglas, und niemand konnte sie bislang davon abbringen.

Für wen dieser Roman gemacht ist

„Alien im Wunderland“ ist ein satirischer Science-Fiction-Roman auf Deutsch, der seinen Weltbau ernst nimmt, seine Menschen aber nicht. Wer „Per Anhalter durch die Galaxis“ mag, findet hier eine verwandte Freude daran, dass jemand von außen uns beim Menschsein zusieht. Der Unterschied liegt in der Nähe: Kirks Wunderland ist kein exotischer Sternhaufen, sondern der deutsche Alltag – inklusive Kulturschock in beide Richtungen. Wer nach Science-Fiction-Humor auf Deutsch sucht, findet in Varlor den Ausgangspunkt und in Deutschland die Pointe. Weitere Argumente sammelt die Roman-Empfehlung.

Am Ende bleibt eine Frage, die der Roman elegant offenlässt: Ist Varlor die bessere Welt – oder nur die bequemere? Kirk selbst ist sich da nicht mehr so sicher, je länger er hier ist. Und wir? Wir sind, wie er notiert, seltsamer als jede fremde Zivilisation.

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Häufig gestellte Fragen zu Planet Varlor

Was ist Planet Varlor in „Alien im Wunderland“?

Planet Varlor ist die Heimatwelt des Protagonisten Xyphor Venthax. Er hat eine Methan-Stickstoff-Atmosphäre, wird von siliziumbasierten Lebensformen bewohnt und kennt seit über 200 Orban kein Geld mehr.

Wie leben die Bewohner von Varlor?

Varlorianer sind geschlechtslos, ernähren sich von synthetisiertem Nahrungsgranulat und überlassen die Arbeit Robotern und Materiesynthesizern. Fortpflanzung findet in der Sternenbrunft alle 17 Orban statt.

Hat Varlor einen Warp-Antrieb?

Nein. Varlorianische Raumfahrt nutzt Kälteschlaf und Flüge nahe der Lichtgeschwindigkeit. Zwei Orban Schiffszeit entsprechen ungefähr fünf Erdenjahren – deshalb ist eine Reise zur Erde eine Lebensentscheidung.

Warum schickt Varlor jemanden zur Erde?

Weil der Planet unsere Fernsehsignale empfängt und als Einladung deutet. Was auf Varlor als freundliche Kontaktaufnahme geplant wird, trifft auf der Erde auf eine Realität, die mit dem Drehbuch wenig zu tun hat.

Fazit: Planet Varlor ist der heimliche Hauptdarsteller

Planet Varlor kommt in „Alien im Wunderland“ nur in Rückblenden und Nebensätzen vor – und prägt trotzdem jede Seite. Ohne Methan-Atmosphäre kein Verwandlungsproblem. Ohne Materiesynthesizer keine Fassungslosigkeit im Supermarkt. Ohne abgeschafftes Geld keine Satire auf unseren Umgang mit Arbeit. Und ohne fehlenden Warp-Antrieb kein Gestrandeter, der uns so genau anschaut, wie es sonst niemand tut. Wer den Roman liest, lernt vor allem eines: Um die Erde zu verstehen, hilft ein Blick von Varlor aus.

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