Was würde ein Alien über Smartphones denken? Kirks digitaler Missionsbericht

Was würde ein Alien über Smartphones denken, wenn es zum ersten Mal beobachtet, wie eine ganze Spezies gebannt auf kleine leuchtende Rechtecke starrt? Diese Frage lässt sich mit Xyphor Venthax beantworten – einem geschlechtslosen Varlorianer, den seine irdischen Bekannten schlicht „Kirk“ nennen. Kirk hat sich sein Pseudonym in Bewunderung für einen berühmten Raumschiff-Kapitän zugelegt; Oma Gerda, bei der er in einem Frankfurter Vorort gestrandet ist, denkt dabei allerdings hartnäckig an Kirk Douglas. In seinem digitalen Missionsbericht protokolliert Kirk, was ein Alien über Smartphones wirklich denkt – und die Antwort ist ebenso komisch wie entlarvend.

Kurz gesagt: Ein Alien würde Smartphones für die eigentlichen Herrscher der Erde halten. Kirk beobachtet, dass nicht die Menschen die Geräte bedienen, sondern die Geräte die Menschen – sie bestimmen, wann gelacht, wann gescrollt und wann der Blick gehoben wird. Für einen Forscher, der Machtstrukturen kartografieren soll, ist das die wichtigste Entdeckung seiner gesamten Mission.

Der Flugmodus-Skandal: Was ein Alien über Smartphones zuerst bemerkt

Kirks allererste Enttäuschung trägt einen Namen: Flugmodus. In Missionsbericht #5122 hält er empört fest, dass dieses angeblich hochentwickelte Gerät eine Funktion namens „Flugmodus“ besitzt – und trotzdem keinerlei Flugfähigkeit aufweist. Ein Varlorianer, der interstellare Distanzen gewohnt ist, betrachtet das als handfesten Etikettenschwindel. Auf einer Brücke über dem Main, mit der Frankfurter Skyline im Rücken, stellt Kirk fest: Das Gerät bleibt am Boden, ganz gleich, wie oft er den Modus aktiviert.

Kirk-Meme: Kirk steht ratlos vor einem Smartphone auf einer Frankfurter Bruecke, weil der Flugmodus keine Flugfaehigkeit ausloest — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Doch je länger Kirk beobachtet, desto klarer wird ihm: Das Smartphone verspricht ständig Dinge, die es nicht hält. Es heißt „Handy“, obwohl es kaum noch zum Telefonieren benutzt wird. Es heißt „smart“, macht seine Besitzer aber reihenweise vergesslich, weil niemand mehr eine Telefonnummer auswendig kennt. Kirk notiert nüchtern, dass die Menschen ein Gerät erfunden haben, das alle ihre Fragen beantwortet – und sie dadurch das Fragenstellen verlernen ließ. Wie Kirk überhaupt in Frankfurt strandete, erzählt der Bericht über sein Ankommen in der Mainmetropole.

90 Prozent Bildschirmzeit: Warum ein Alien die Menschheit für ferngesteuert hält

Die vielleicht erschütterndste Beobachtung macht Kirk im Café. In Missionsbericht #416 schreibt er mit, dass Menschen „in freier Wildbahn“ zu rund 90 Prozent aus Bildschirmzeit und zu 10 Prozent aus Existenzkrise bestehen. Sie sitzen zu zweit an einem Tisch, teilen keinen Blick, sondern nur dasselbe WLAN. Kirk, der ursprünglich das Sozialverhalten der Erdlinge studieren wollte, findet keines mehr vor – jeder ist mit einem unsichtbaren Netz aus Nachrichten, Likes und Benachrichtigungen beschäftigt.

Kirk-Meme: Kirk notiert in einem Cafe, wie alle Menschen auf ihre Smartphones starren — 90 Prozent Bildschirmzeit — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Kirk stellt eine beunruhigende These auf: Das Smartphone ist kein Werkzeug, sondern ein Organ, das sich die Menschheit freiwillig implantiert hat. Es vibriert, und der Mensch zuckt. Es klingelt, und der Mensch springt. Für einen Außenstehenden sieht das aus wie eine Spezies unter Fernsteuerung. Diese Beobachtung reiht sich nahtlos in Kirks frühere Berichte – etwa in seinen digitalen Missionsbericht über Social Media und Internet und in seine Notizen zu Fernsehen und Werbung, wo er schon einmal über die Macht der Bildschirme staunte.

Besonders rätselhaft findet Kirk das Phänomen der Selbstdarstellung: Menschen fotografieren ihr Essen, bevor sie es verzehren, und präsentieren ihr Leben einem Publikum, das größtenteils aus Fremden besteht. Warum die Erdlinge so vieles tun, das einem Alien völlig unlogisch erscheint, beleuchtet auch Kirks Bericht über sieben Beobachtungen eines Aliens über komische Menschen.

Fast schon rührend findet Kirk die Abhängigkeit der Menschen von der Navigationsfunktion. Auf seiner Heimatwelt orientiert sich ein Varlorianer an Sternenfeldern und Magnetströmen – der Erdling hingegen findet ohne eine freundliche Stimme im Gerät nicht einmal mehr zum nächsten Bäcker. Kirk beobachtet, wie Menschen einer künstlichen Stimme blind vertrauen, selbst wenn diese sie geradewegs in einen Fluss zu lotsen droht. Er notiert dazu trocken: Eine Spezies, die den Weg zum eigenen Supermarkt vergessen hat, aber das Universum kolonisieren möchte, verdient zumindest Respekt für ihren Optimismus. Und doch, so gibt Kirk zu, hat ihm dasselbe Gerät schon dabei geholfen, Oma Gerdas Lieblingsapotheke wiederzufinden – ein kleiner Sieg der Technik über die Verwirrung.

Cookies, die nie geliefert werden: Kirk und das digitale Kleingedruckte

Ein weiteres Mysterium bereitet Kirk am Computer Kopfzerbrechen. In Missionsbericht #744 fragt er ehrlich verwundert, wann eigentlich die ganzen „Cookies“ geliefert würden, die er beim Surfen ständig akzeptiere. Auf seiner Heimatwelt wäre ein Vertrag über die Lieferung von Gebäck bindend – auf der Erde bekommt man dafür nur noch mehr Werbung.

Kirk-Meme: Kirk am Computer fragt sich, wann die staendig akzeptierten Cookies endlich geliefert werden — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Kirk erkennt darin ein Grundmuster des digitalen Lebens: Der Mensch stimmt permanent Dingen zu, die er nicht liest, akzeptiert Bedingungen, die er nicht versteht, und gibt Daten preis, deren Wert er nicht kennt. Der Varlorianer, gewohnt an präzise interstellare Protokolle, hält das für die riskanteste Angewohnheit der gesamten Spezies. Und doch, so gesteht Kirk am Ende ein, hat auch er sich dabei ertappt, wie er Oma Gerdas Tablet nach dem Wetter fragte, statt einfach aus dem Fenster zu sehen. Solche kleinen menschlichen Rituale sammelt Kirk in seinem Bericht über die seltsamen Rituale der Erdlinge.

Kirks Fazit: Was ein Alien über Smartphones am Ende wirklich denkt

Nach Wochen der Feldforschung kommt Kirk zu einem überraschend versöhnlichen Schluss. Ja, ein Alien würde über Smartphones den Kopf schütteln – über den Flugmodus ohne Flug, die Bildschirmzeit ohne Gespräch und die Cookies ohne Gebäck. Doch Kirk erkennt auch, wofür die Menschen das Gerät eigentlich benutzen: um Großmütter anzurufen, Fotos von Enkeln zu zeigen und einsame Abende zu überbrücken. Das Smartphone, so notiert er, sei ein Spiegel der Menschheit – es macht die Erdlinge weder besser noch schlechter, sondern nur sichtbarer.

Wie es Kirk gelingt, zwischen all den leuchtenden Rechtecken echte Nähe zu Oma Gerda zu finden, verrät der Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend. Nur so viel sei gesagt: Manchmal lernt ausgerechnet ein Alien die Menschen zu verstehen, indem es das Handy weglegt. Der Anfang dieser Geschichte – Kirks erster Kontakt bei Oma Gerda – ist der beste Einstieg in seine Mission.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was würde ein Alien über Smartphones denken?
Ein Alien würde Smartphones für die heimlichen Herrscher der Erde halten. Im Roman „Alien im Wunderland“ beobachtet der Varlorianer Kirk, dass die Geräte den Tagesrhythmus, die Aufmerksamkeit und sogar das Sozialverhalten der Menschen steuern – und dass die Erdlinge dies freiwillig zulassen.

Worum geht es im Roman „Alien im Wunderland“?
„Alien im Wunderland“ ist ein humorvoller Science-Fiction-Roman von Thomas Tausend. Er erzählt von Xyphor Venthax, einem geschlechtslosen Alien, das unter dem Pseudonym „Kirk“ bei der resoluten Oma Gerda in Frankfurt lebt und die Menschheit mit staunend-ehrlichem Blick studiert – von der Bildschirmzeit bis zur Kirche.

Warum heißt das Alien ausgerechnet Kirk?
Xy wählt das Pseudonym „Kirk“ aus Bewunderung für einen berühmten Raumschiff-Kapitän. Oma Gerda denkt bei dem Namen konsequent an den Schauspieler Kirk Douglas – ein Missverständnis, das sich durch die Geschichte zieht. Einen Rang wie „Commander“ trägt Kirk übrigens nicht.

Für wen ist „Alien im Wunderland“ das richtige Buch?
Der Roman eignet sich für alle, die klugen, warmherzigen Humor und satirische Gesellschaftsbeobachtung mögen – und ist zugleich ein ideales Geschenk für Leseratten mit Faible für Science-Fiction und feine Ironie.

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Kirk protokolliert die Menschheit unermüdlich. Hier alle bisher veröffentlichten Beobachtungen im Überblick:

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