Stell dir vor, du kommst von einem Planeten, auf dem es überhaupt keine Geschlechter gibt – und landest ausgerechnet in Frankfurt. Genau das ist die Ausgangslage für die Geschlechtsunterschiede aus Alien-Sicht, die Xyphor Venthax, von seiner Wirtin Oma Gerda liebevoll "Kirk" genannt, in seinem Missionsbericht protokolliert. Für einen Varlorianer, dessen Spezies sich nicht in Männchen und Weibchen aufteilt, sind Mann und Frau kein biologisches Detail, sondern ein komplettes Betriebssystem mit undokumentierten Funktionen. Willkommen zu Kirks vermutlich verwirrendstem Beobachtungsprojekt.
Wer Kirk noch nicht kennt: Er ist der geschlechtslose Held aus dem satirischen Roman "Alien im Wunderland" von Thomas Tausend. Sein Name ist übrigens ein Pseudonym – er bewundert Captain Kirk aus Star Trek, während Oma Gerda bei "Kirk" standhaft an Kirk Douglas denkt. Einen Rang trägt Xy nicht; er ist schlicht ein neugieriger Ausserirdischer mit einem Tablet und einer bemerkenswerten Fähigkeit, die Menschheit von aussen zu betrachten.
Warum Geschlechtsunterschiede aus Alien-Sicht so verwirrend sind
Die Geschlechtsunterschiede aus Alien-Sicht zu verstehen, scheitert für Xy schon an der Grundannahme. Varlorianer vermehren sich ohne die Aufteilung in zwei Geschlechter – ein Umstand, den der Roman in einem eigenen Kapitel über geschlechtslose Aliens ausführlich beleuchtet. Für Kirk ist es deshalb völlig unlogisch, dass eine einzige Spezies sich in zwei Varianten aufteilt, die sich derart unterschiedlich verhalten, kleiden und kommunizieren – und die den Grossteil ihrer Lebensenergie darauf verwenden, die jeweils andere Variante zu beeindrucken.
Kirks Definition fällt entsprechend nüchtern aus: Ein Geschlechtsunterschied ist ein biologisches Merkmal, das die Erdlinge zu einem gesellschaftlichen Vollzeitprojekt ausgebaut haben. Als er das in sein Tablet tippt, ist er überzeugt, damit alles Wesentliche erfasst zu haben. Er sollte sich täuschen.

Die Fellfarbe: Warum Erdenweibchen ihren Kopf umlackieren
Kirks erster grosser Stolperstein ist der Friseursalon. In seinem Missionsbericht #417 hält er fest: "Erdenweibchen wechseln regelmässig die Farbe der Fellreste auf ihrem Kopf." Aus varlorianischer Sicht ist das schlicht nicht erklärbar. Fell dient auf jedem vernünftigen Planeten der Tarnung oder der Temperaturregulierung – niemals der freiwilligen, kostenpflichtigen Umfärbung in einem Raum voller summender Trockenhauben.
Kirk beobachtet fasziniert, wie ein Erdenweibchen mit brauner "Fellfarbe" den Salon betritt und Stunden später mit kupferrotem Kopf wieder herauskommt – strahlend, als hätte es eine Prüfung bestanden. Diese Beobachtung reiht sich nahtlos in Kirks Sammlung menschlicher Schönheitsrituale ein, die er auch beim Thema Kleidung und in seinem Bericht über menschliche Gewohnheiten dokumentiert. Sein vorläufiges Fazit: Das Erdenweibchen betreibt einen enormen Aufwand, um sich sichtbar zu verändern – und ist danach beleidigt, wenn niemand die Veränderung bemerkt.

Die Paarbildung: Ein riskantes Ritual
Wenn Mann und Frau zueinanderfinden, wird es für Kirk endgültig unheimlich. In Missionsbericht #187 notiert er über ein Paar auf einer Parkbank: "Vor der Paarbildung prüfen anscheinend Erdlinge die Überlebenstauglichkeit des Partners durch den Versuch, sich gegenseitig Futter aus dem Mund zu stehlen!" Was Menschen einen Kuss nennen, interpretiert der Varlorianer als riskanten Kompatibilitätstest mit ungeklärtem Ausgang.
Für Kirk ist besonders rätselhaft, dass die beiden Geschlechter dabei nach völlig unterschiedlichen Regelwerken zu spielen scheinen – und keines dieser Regelwerke schriftlich vorliegt. Warum sich Menschen überhaupt küssen, hat Xy in einem eigenen Missionsbericht zu ergründen versucht, und seine ersten Gehversuche im irdischen Dating sind ein Kapitel für sich. Dass daraus im Roman sogar eine zarte Alien-Liebesgeschichte entstehen könnte, deutet Kirk nur vorsichtig an – verraten wird an dieser Stelle natürlich nichts.

Das unlösbare Rätsel: Erdenfrauen verstehen
Irgendwann greift Kirk zu einem irdischen Ratgeber mit dem vielversprechenden Titel "Frauen verstehen". Sein Missionsbericht #784 fasst das Ergebnis trocken zusammen: "Erdenfrauen sind nicht kompliziert. Sie wollen nur geliebt werden und Überraschungen und Schmuck und andere Dinge, die Du erraten musst…" Für ein Wesen, das an präzise, logische Kommunikation gewöhnt ist, ist der Halbsatz "die Du erraten musst" nichts weniger als eine kleine Katastrophe.
Kirk stellt fest: Die menschliche Kommunikation zwischen den Geschlechtern besteht zu erstaunlich grossen Teilen aus Dingen, die nicht gesagt werden. Ein "Mach, was du willst" bedeutet fast nie, dass man machen soll, was man will. Ein Seufzen kann ein ganzes Kapitel Bedeutung transportieren. Für einen Varlorianer, dessen Heimatwelt vermutlich noch nie einen passiv-aggressiven Blick gesehen hat, ist das die anspruchsvollste Fremdsprache der ganzen Mission.
Interessanterweise, so hält Kirk fest, funktioniert das Rätselraten in beide Richtungen. Auch die Erdenmännchen senden Signale, die für Aussenstehende kaum zu entschlüsseln sind – nur eben andere. Seine Erkenntnis reiht sich ein in eine ganze Serie von Beobachtungen darüber, warum Menschen so komisch sind, und in seine grössere Analyse der menschlichen Gesellschaft.
Was Kirk an den Geschlechtsunterschieden trotzdem mag
So verwirrt Xy auch ist – ganz ohne Bewunderung bleibt er nicht. Er beobachtet, dass gerade die Reibung zwischen den Geschlechtern eine enorme kreative Energie freisetzt: Gedichte, Lieder, ganze Bücher und Fernsehformate drehen sich um nichts anderes. Auf Varloria, wo alle gleich sind, gibt es diese schöpferische Spannung schlicht nicht. Kirk notiert nachdenklich, dass die Erdlinge aus ihrer grössten Verwirrung offenbar ihre schönste Kunst machen.
Und dann ist da noch Oma Gerda, die Kirk vorlebt, dass Geschlecht mit dem Alter zu einer erstaunlich entspannten Angelegenheit werden kann. Ihr Rat an Xy in Sachen Frauen lautet sinngemäss: "Zuhören, Bub. Und wenn du nicht weiterweißt: Blumen." Kirk hat sich das notiert. Ob es hilft, ist eine andere Frage.
Geschlechtsunterschiede aus Alien-Sicht: Kirks vorläufiges Fazit
Am Ende seines Berichts kapituliert Xy fast schon liebevoll. Die Geschlechtsunterschiede aus Alien-Sicht lassen sich, so sein Schluss, nicht in eine saubere Formel packen. Mann und Frau sind für ihn zwei Betriebssysteme derselben Spezies, die nie ganz kompatibel wurden, sich aber trotzdem – oder gerade deshalb – unaufhörlich anziehen. Was für einen Logiker ein Skandal ist, ist für die Menschen offenbar der ganze Spass an der Sache.
Genau diese aussenstehende, staunende Perspektive macht "Alien im Wunderland" aus: Kirk hält uns einen Spiegel vor, in dem selbst der ganz normale Geschlechterkampf plötzlich aussieht wie das absurdeste und rührendste Ritual des Universums. Wer schon immer wissen wollte, wie fremd wir eigentlich aus der Ferne wirken, ist bei Xy genau richtig.
Du willst Kirk und Oma Gerda selbst erleben?
Den Roman "Alien im Wunderland" von Thomas Tausend
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Haben Aliens in "Alien im Wunderland" ein Geschlecht?
Nein. Kirks Spezies, die Varlorianer, kennt keine Geschlechter. Genau deshalb wirken menschliche Geschlechtsunterschiede aus seiner Sicht so fremd und komisch – er hat schlicht keinen Vergleich.
Worum geht es in "Alien im Wunderland"?
Der satirische Roman von Thomas Tausend erzählt von Xyphor Venthax alias "Kirk", einem Ausserirdischen, der bei der resoluten Oma Gerda in Frankfurt strandet und die Menschheit mit staunendem Aussenblick protokolliert – vom Kaffeetrinken bis zum Geschlechterkampf.
Ist der Roman für Männer oder Frauen geschrieben?
Für beide. Da Kirk selbst geschlechtslos ist, macht er sich gleichermassen über die Eigenheiten von Männern und Frauen lustig – augenzwinkernd, nie verletzend. Der Humor funktioniert unabhängig davon, welche "Fellfarbe" man gerade trägt.
Sind die Missionsberichte Szenen aus dem Roman?
Die Missionsberichte sind Kirks pointierte Beobachtungen und Kommentare zur Erde. Sie geben den Ton und den Aussenblick des Romans wieder, ohne die Handlung zu verraten – wer wissen will, wie es Xy und Oma Gerda ergeht, muss selbst lesen.
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