Woher kommen die Namen der Wochentage? Diese Frage stellt sich fast jeder einmal – meistens irgendwann zwischen dem dritten Kaffee und der Erkenntnis, dass Mittwoch aus der Reihe tanzt. Xyphor Venthax, der Außerirdische, der sich auf der Erde schlicht Kirk nennt, stellt sie sich allerdings mit deutlich mehr Nachdruck. Denn er ist der Erste, dem auffällt, wie absurd die Antwort eigentlich ist: Die Menschen haben ihre alten Götter längst abgeschafft – und benennen trotzdem bis heute jeden einzelnen Tag der Woche nach ihnen.

Was für Kirk wie ein Verwaltungsfehler von kosmischem Ausmaß aussieht, ist in Wahrheit eines der ältesten und zählebigsten Überbleibsel unserer Kulturgeschichte. Und die Erklärung ist tatsächlich so verrückt, wie sie klingt. Hier kommt die vollständige Antwort – sortiert von Montag bis Sonntag, inklusive der beiden Tage, bei denen die Deutschen aus der Reihe getanzt sind.
Woher kommen die Namen der Wochentage? Die kurze Antwort
Die Namen der Wochentage stammen aus der antiken Planetenwoche. Diese ordnete jedem der sieben mit bloßem Auge sichtbaren Himmelskörper – Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn – einen Tag zu. Die Römer benannten diese Tage nach ihren Göttern. Als das System im Zuge der römischen Expansion nach Mittel- und Nordeuropa gelangte, ersetzten die germanischen Völker die römischen Götternamen durch die Namen ihrer eigenen, funktional vergleichbaren Gottheiten. Fachleute nennen diesen Übersetzungsvorgang Interpretatio Germanica.
Das Ergebnis: In jedem deutschen Wochenkalender stehen bis heute die Namen von Tiwaz, Wodan, Donar und Freya – getarnt als ganz normale Terminplanung.
Warum hat die Woche überhaupt sieben Tage?
Bevor es um die Namen geht, lohnt sich Kirks eigentliche Vorfrage: Warum sieben? Ein Monat hat rund dreißig Tage, ein Jahr dreihundertfünfundsechzig – beides teilt sich durch sieben denkbar schlecht. Ein außerirdischer Beobachter würde eine Fünf-Tage- oder Zehn-Tage-Einteilung erwarten. Stattdessen: sieben.
Die Antwort liegt am Himmel. Aus babylonischer Astronomie stammt die Beobachtung, dass sich genau sieben Himmelskörper anders bewegen als die Fixsterne. Diese Sieben galt als heilige Zahl, und die hellenistische Welt goss sie in ein Kalendersystem. Über das Römische Reich verbreitete sich die Planetenwoche in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung quer durch Europa. Sie hat Reiche, Religionswechsel und Kalenderreformen überlebt – und sie hat sich als so praktisch erwiesen, dass sie heute weltweit gilt.
Kirk formuliert das in seiner Ausbildung bei Professor Zelpan ungefähr so: Die Menschen haben ihre Zeitrechnung an sieben leuchtenden Punkten festgemacht, von denen sie damals keinen einzigen aus der Nähe gesehen hatten. Und dann haben sie nie wieder daran gerührt. Wer sich für diese Vorlesungen interessiert, findet mehr davon in Kirks Missionsbericht über die Rituale der Erdlinge.
Woher die Namen der Wochentage im Einzelnen kommen
Hier die vollständige Aufschlüsselung. Jeder Tag mit seinem römischen Ursprung, seiner germanischen Übersetzung und dem, was davon heute noch übrig ist.
1. Montag – der Tag des Mondes
Lateinisch dies Lunae, der Tag der Mondgöttin Luna. Die germanische Übersetzung war schlicht: Mond. Daraus wurde Mānetac und schließlich Montag. Das Englische (Monday), das Französische (lundi) und das Italienische (lunedì) erzählen dieselbe Geschichte. Der Montag ist damit der einzige Wochentag, dessen Name über Jahrtausende hinweg völlig unverändert das Gleiche bedeutet.
2. Dienstag – der Tag des Kriegsgottes
Lateinisch dies Martis, der Tag des Mars. Die Germanen setzten dafür ihren Himmels- und Kriegsgott Tiwaz ein – im Englischen bis heute klar erkennbar an Tuesday (nach Tīw). Im deutschen Sprachraum lief die Entwicklung über den Beinamen Mars Thingsus, den Gott der Volksversammlung (des Things), was zum niederdeutschen Dingesdach und schließlich zu Dienstag führte. Der Dienstag ist also, streng genommen, der Tag der Gerichtsverhandlung.
3. Mittwoch – der Tag, den die Kirche umbenannt hat
Hier wird es interessant. Ursprünglich war das der dies Mercurii, der Tag des Merkur – germanisch übersetzt mit Wodan. Das Englische hat das bewahrt: Wednesday ist Wodan’s day, das Niederländische sagt woensdag. Im deutschen Sprachraum jedoch wurde der Name im frühen Mittelalter durch die schlichte Positionsangabe mittawecha ersetzt – „Mitte der Woche“. Ein Gott wurde durch eine Ortsangabe im Kalender ersetzt. Kirk hält das für die eleganteste Form der Entlassung, die er je gesehen hat.

4. Donnerstag – der Tag des Donnergottes
Lateinisch dies Iovis, der Tag des Jupiter. Jupiter war der Gott des Blitzes, also übersetzten die Germanen ihn mit Donar (nordisch: Thor). Daraus wurde Donarestag, dann Donnerstag. Das englische Thursday und das französische jeudi (von Iovis dies) laufen parallel. Wer also am Donnerstag einen Termin einträgt, trägt ihn in den Tag des Hammerträgers ein.
5. Freitag – der Tag der Liebesgöttin
Lateinisch dies Veneris, der Tag der Venus. Die germanische Entsprechung war Frija beziehungsweise Freya, Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Daraus wurde Freitag, im Englischen Friday, im Französischen vendredi. Dass ausgerechnet der Tag der Liebesgöttin heute vor allem als Beginn des Feierabends gefeiert wird, findet Kirk nur folgerichtig – siehe dazu auch seinen Missionsbericht über Dating und Liebe.
6. Samstag – der Tag, der die Religion gewechselt hat
Der zweite Ausreißer. Römisch war das der dies Saturni, der Tag des Saturn – im Englischen als Saturday unverändert erhalten. Im deutschen Sprachraum setzte sich stattdessen über das Griechische das hebräische Schabbat durch, das über sambaton zu Samstag wurde. Im Norden Deutschlands hielt sich parallel die Bezeichnung Sonnabend: der Abend vor dem Sonntag. Ein einziger Tag, drei konkurrierende Namensherkünfte – römischer Gott, jüdischer Ruhetag, christliche Positionsangabe.
7. Sonntag – der Tag der Sonne
Lateinisch dies Solis. Im Deutschen und Englischen (Sunday) direkt übersetzt, in den romanischen Sprachen dagegen christlich überschrieben: domenica, dimanche – der Tag des Herrn. Auch hier also derselbe Vorgang wie beim Mittwoch, nur in die andere Sprachrichtung.
Woher kommen die Namen der Wochentage – und warum merkt das niemand?
Das ist der Punkt, an dem Kirks Beobachtung wehtut. Vier von sieben deutschen Wochentagen tragen die Namen germanischer Gottheiten, an die seit über tausend Jahren niemand mehr glaubt. Die Menschen haben Tempel abgerissen, Bräuche verboten und ganze Glaubenssysteme ersetzt – aber den Kalender hat niemand angefasst. Er war zu praktisch.
Aus Kirks Sicht ist das kein Versehen, sondern ein Muster. Die Erdlinge behalten Dinge bei, deren Sinn sie längst vergessen haben, weil das Umbenennen mehr Arbeit wäre als das Weiterbenutzen. Genau dieselbe Trägheit erklärt, warum Formulare aussehen, wie sie aussehen – und warum ein Alien, das alles zum ersten Mal sieht, ständig Fragen stellt, die sich sonst niemand mehr stellt.
Interessanterweise sind es ausgerechnet die beiden Tage, bei denen die Kirche eingegriffen hat – Mittwoch und Samstag –, an denen man den Eingriff heute noch sehen kann. Überall dort, wo niemand etwas geändert hat, stehen die Götter noch unverändert im Kalender. Wer aufräumt, hinterlässt Spuren. Wer nichts tut, hinterlässt Wodan.

Der Kalender hat noch mehr Baustellen
Die Wochentage sind nur der Anfang. Wer einmal anfängt, den irdischen Kalender ernst zu nehmen, stolpert im Sekundentakt über Unstimmigkeiten:
- Die Monatslängen. Elf Monate haben dreißig oder einunddreißig Tage. Einer hat achtundzwanzig. Manchmal neunundzwanzig. Eine nachvollziehbare Begründung gibt es nicht – nur römische Kalenderpolitik.
- Die Monatsnamen. September, Oktober, November und Dezember bedeuten wörtlich der siebte, achte, neunte und zehnte Monat. Sie stehen aber an Position neun bis zwölf. Der Jahresbeginn wurde verschoben, die Namen nicht.
- Die Zeitzonen. Ein Planet, eine Rotation, vierundzwanzig verschiedene Uhrzeiten. Kirk hat dafür eine Weile gebraucht.
- Die Sommerzeit. Zweimal im Jahr wird eine Stunde verschoben, über die anschließend alle klagen. Niemand kann Kirk erklären, wer das beschlossen hat.
Man kann diese Liste beliebig verlängern. Sie ist im Grunde das Prinzip des ganzen Romans: Nicht die großen Fragen der Menschheit sind seltsam, sondern die kleinen Selbstverständlichkeiten, über die niemand mehr nachdenkt. Wer diese Perspektive mag, findet sie auch in Kirks Antworten auf die Frage, warum Menschen so seltsam sind und in seiner hessischen Sprachkunde.
Was das mit „Alien im Wunderland“ zu tun hat
„Alien im Wunderland“ ist der satirische Science-Fiction-Roman von Thomas Tausend über Xyphor Venthax – einen Außerirdischen vom Planeten Varlor, der in Nordhessen strandet, von der Rentnerin Oma Gerda angefahren und anschließend behalten wird. Weil er Captain Kirk aus dem irdischen Fernsehen bewundert, nennt er sich fortan schlicht Kirk. Oma Gerda denkt bei dem Namen an Kirk Douglas. Aufgeklärt wird dieses Missverständnis nie.
Der Roman funktioniert episodisch: Kirk lernt die Erde Stück für Stück kennen – das Essen, das Geld, die Rituale, die Sprache – und stellt dabei genau die Fragen, die man sich als Mensch abgewöhnt hat. Woher die Namen der Wochentage kommen, ist dabei nur eine von vielen. Mehr über den Hintergrund gibt es im Porträt des Autors Thomas Tausend, über die Heimatwelt Varlor und über eine mögliche Fortsetzung.
Du willst Kirk und Oma Gerda selbst erleben?
Den Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend
Häufig gestellte Fragen zu den Namen der Wochentage
Woher kommen die Namen der Wochentage im Deutschen?
Sie stammen aus der römischen Planetenwoche und wurden von den germanischen Völkern übersetzt: Montag (Mond), Dienstag (Tiwaz), Mittwoch (ursprünglich Wodan), Donnerstag (Donar), Freitag (Freya), Samstag (Saturn, später vom hebräischen Schabbat verdrängt) und Sonntag (Sonne).
Warum heißt der Mittwoch nicht Wodanstag?
Weil der Name im deutschen Sprachraum im frühen Mittelalter durch die neutrale Bezeichnung „Mitte der Woche“ ersetzt wurde. Das Englische hat den ursprünglichen Namen dagegen bewahrt: Wednesday geht auf Wodan zurück, ebenso das niederländische woensdag.
Warum hat die Woche sieben Tage?
Weil die antike Astronomie sieben mit bloßem Auge sichtbare Wandelgestirne kannte – Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn. Jedem wurde ein Tag zugeordnet. Dieses System verbreitete sich über das Römische Reich und ist bis heute weltweit in Gebrauch.
Kommen die Wochentage im Roman „Alien im Wunderland“ vor?
Kirks Kalender-Exkurs gehört zu den Beobachtungen, mit denen der Roman arbeitet: Der Außerirdische nimmt den irdischen Alltag beim Wort und stellt fest, dass vieles davon nur noch aus Gewohnheit funktioniert. „Alien im Wunderland“ ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich.
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Fazit
Woher kommen die Namen der Wochentage? Aus einem babylonischen Blick zum Himmel, über römische Götter, durch germanische Übersetzung, mit zwei nachträglichen kirchlichen Korrekturen – und seither hat niemand mehr etwas daran geändert. Sieben Tage, vier vergessene Gottheiten, ein Sabbat und eine Sonne. Wir benutzen sie täglich, ohne sie zu bemerken.
Genau darum geht es in „Alien im Wunderland“: Ein Außerirdischer, der nichts als selbstverständlich hinnimmt, macht sichtbar, wie viel Vergangenheit in unserem Alltag steckt. Kirk würde sagen: Ihr habt eure Götter nicht abgeschafft. Ihr habt ihnen nur Termine gegeben.
