Ein Alien über Urlaub und Tourismus: Kirks Missionsbericht aus dem Liegestuhl

Mein Name ist Xyphor Venthax, doch die Erdlinge kennen mich als Kirk. Ich lebe getarnt bei Oma Gerda in Frankfurt und erforsche die Menschheit. In der warmen Jahreszeit jedoch geschieht etwas Seltsames mit dieser Spezies: Sie packt Koffer, verlässt freiwillig ihr sicheres Nest und begibt sich an fremde Orte, nur um dort möglichst genau das zu suchen, was sie zu Hause hat. Als Alien über Urlaub und Tourismus nachzudenken, war eine meiner verwirrendsten Missionen überhaupt.

Auf meinem Heimatplaneten Varloria reisen wir per Gedankenprojektion — geräuschlos, koffervoll, ohne Sonnenbrand. Die Erdlinge dagegen haben aus dem Fortbewegen einen ganzen Kult gemacht, komplett mit Ritualen, Wettkämpfen und einer erstaunlichen Menge an Handtüchern. Was folgt, ist mein ehrlicher Missionsbericht aus dem Liegestuhl.

Warum ein Alien über Urlaub und Tourismus nur staunen kann

Kirk-Meme: Ein deutscher Tourist im fernen Land wuenscht sich Schnitzel mit Pommes, waehrend Kirk Notizen macht — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Meine erste große Erkenntnis: Erdlinge reisen in fremde Länder und erwarten dort, dass alles genau so ist, wie sie es von zu Hause kennen. Ich beobachtete einen Menschen mit Deutschland-Kappe, der in einem fernen, farbenprächtigen Land verzweifelt nach Schnitzel mit Pommes verlangte, während um ihn herum die aufregendsten fremden Speisen dufteten. Kirks Notiz dazu war knapp: Man legt tausende Kilometer zurück, um sich am Ziel über die fehlende Currywurst zu beschweren.

Dabei ist gerade das Fremde der Sinn der Sache — sollte man meinen. Doch der Erdling packt die eigene Gewohnheit ins Handgepäck. Ich habe diese Anhänglichkeit ans Vertraute schon in vielen anderen deutschen Eigenarten gesehen; im Urlaub aber blüht sie zu voller Pracht auf. Wer die Menschen einmal beim Essen in der Fremde beobachtet hat, versteht, warum ich ganze Seiten meines Missionsberichts damit gefüllt habe.

Der Handtuch-Krieg: eine olympische Disziplin im Morgengrauen

Kirk-Meme: Menschen rennen zum Pool, um Liegen mit Handtuechern zu reservieren, waehrend Kirk staunt — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Kein Ritual hat mich mehr fasziniert als das, was ich das Handtuch-Liegen-Reservierungs-Wettrennen nenne. In der Jahreszeit namens „Urlaub“ erheben sich manche Erdlinge vor Sonnenaufgang, sprinten zum Pool und werfen Handtücher auf Liegestühle, die sie danach stundenlang nicht benutzen. Das Handtuch ist dabei kein Trockentuch — es ist eine Flagge, eine Grenzmarkierung, eine Kriegserklärung aus Frottee.

Ich habe versucht, die Regeln dieses Sports zu verstehen. Es gibt keinen Schiedsrichter, keinen Pokal, nur den stillen Triumph, um 6:30 Uhr eine Liege „gesichert“ zu haben, auf der man erst um 11 Uhr erscheint. Auf Varloria würden wir das für eine hochkomplexe Form der Meditation halten. Diese menschliche Mischung aus Ehrgeiz und Absurdität gehört für mich fest zu der Sammlung von Momenten, die zeigen, warum Menschen so wunderbar komisch sind.

Pool-Territorien und das Markieren mit Frottee

Kirk-Meme: Urlauber markieren Liegen am Pool mit bunten Handtuechern, Kirk sitzt mit Teetasse dazwischen — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Eng verwandt mit dem Handtuch-Krieg ist ein Verhalten, das ich aus der Tierbeobachtung wiedererkannte: das Markieren von Territorium. Rund um jedes Wasserbecken breiten die Erdlinge bunte Stoffbahnen aus und schaffen so unsichtbare Reiche. Wehe, ein Fremder setzt sich zu nah — es folgt jenes leise Räuspern, das auf der Erde offenbar „Das ist mein Hoheitsgebiet“ bedeutet.

Ich saß mit meiner Teetasse mittendrin und notierte fasziniert, wie friedlich und zugleich verbissen dieses Spiel abläuft. Es erinnert mich an das territoriale Verhalten, das ich auch bei irdischen Haustieren beobachtet habe — nur dass die Menschen dazu Sonnenmilch benutzen. Der Urlaub, so scheint es, ist nicht das Gegenteil des Alltags, sondern derselbe Alltag in kürzeren Hosen.

Souvenirs, Sonnenbrand und das Sammeln von Beweisen

Ein weiteres Rätsel: Erdlinge geben im Urlaub Geld für Gegenstände aus, die sie zu Hause niemals kaufen würden — winzige Türme, bemalte Teller, Kühlschrankmagnete in Herzform. Diese „Souvenirs“ dienen offenbar als Beweismittel dafür, dass man tatsächlich fort war. Dazu kommt das freiwillige Rösten der eigenen Haut in der Sonne, gefolgt von schmerzhaftem Bedauern. Ich habe Oma Gerda gefragt, warum sie das tut. Ihre Antwort — „Das gehört sich so im Urlaub“ — habe ich als eines der tiefsten menschlichen Gesetze in meinen Bericht aufgenommen.

Und dann ist da noch das Trinkgeld, das im Ausland zu einer regelrechten Wissenschaft wird, sowie die Kunst, im fremden Supermarkt herauszufinden, welche der bunten Packungen nun Milch enthält. Der Erdling im Urlaub ist ein tapferer Forscher — auch wenn er am liebsten trotzdem seine gewohnte Marke gefunden hätte.

Was Kirks Reise-Missionsbericht mit dem Roman zu tun hat

All diese Beobachtungen stammen aus meinem Alltag, seit ich bei Oma Gerda gestrandet bin. Wie ein Varlorianer überhaupt in einem Frankfurter Wohnzimmer landet, erzählt der Roman „Alien im Wunderland“ — ein guter Einstieg ist mein Bericht über den ersten Kontakt mit Oma Gerda. Der Roman ist ein liebevoller, satirischer Blick auf die Menschheit, wie ihn nur ein Außenstehender werfen kann.

Wer den ganzen Kulturschock erleben will — von Kirks ersten Gehversuchen am Steuer bis zu seiner Verwirrung über Hochzeiten und die Mainmetropole Frankfurt — findet in „Alien im Wunderland“ einen Begleiter, der die eigene Welt plötzlich mit fremden Augen zeigt. Der Urlaub ist dabei nur eine von vielen menschlichen Merkwürdigkeiten, die Kirk den Kopf verdrehen.

Fazit: Der Urlaub als liebevoller Spiegel der Menschheit

Mein Urteil als Alien über Urlaub und Tourismus fällt, wie so oft, versöhnlich aus. Ja, das Reisen der Erdlinge ist voller Widersprüche: Sie suchen die Ferne und sehnen sich nach der Nähe, sie wollen Abenteuer und bestellen Schnitzel, sie kämpfen im Morgengrauen um Liegestühle, die sie kaum nutzen. Und doch steckt darin etwas zutiefst Menschliches — die Sehnsucht nach Erholung, nach Sonne, nach ein bisschen Glück. Auf meiner Skala der Zuneigung landet der reisende Mensch, Handtuch in der Hand, ziemlich weit oben.

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Den Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worum geht es im Roman „Alien im Wunderland“?
„Alien im Wunderland“ ist ein humorvoll-satirischer Science-Fiction-Roman von Thomas Tausend. Der Außerirdische Xyphor Venthax (kurz: Xy), der sich auf der Erde „Kirk“ nennt, lebt getarnt bei Oma Gerda in Frankfurt und protokolliert die Menschheit aus seiner staunenden Außenperspektive.

Kommt der Urlaub wörtlich im Roman vor?
Die hier geschilderten Szenen sind Kirks Beobachtungen und Kommentare zur Erde. Der Roman selbst nimmt den menschlichen Alltag liebevoll aufs Korn — Urlaub und Tourismus dienen hier als typisches Beispiel für Kirks Blick auf uns Erdlinge.

Warum nennt sich der Alien „Kirk“?
Xy hat sich das Pseudonym „Kirk“ zugelegt, weil er Captain Kirk aus Star Trek bewundert. Einen Rang wie „Commander“ trägt er ausdrücklich nicht. Oma Gerda denkt bei „Kirk“ ohnehin eher an Kirk Douglas — einer von vielen kleinen Running Gags des Romans.

Für wen ist „Alien im Wunderland“ das richtige Buch?
Für alle, die klugen Humor, Gesellschaftssatire und einen frischen Blick auf den ganz normalen Wahnsinn des Alltags mögen. Wer schon einmal im Urlaub um eine Poolliege gekämpft hat, wird sich in Kirks Missionsberichten sofort wiedererkennen.

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