Ein Alien über Haustiere: Kirks verwirrter Missionsbericht über Hund, Katze und Co.

Als Xyphor Venthax – von seinen irdischen Bekannten schlicht „Kirk“ genannt, weil er insgeheim einen gewissen Raumschiffkapitän bewundert – zum ersten Mal das Wohnzimmer von Oma Gerda in Frankfurt betrat, war er auf vieles vorbereitet. Auf eine dominante Spezies mit merkwürdigen Ritualen. Auf Kaffee. Auf Stau. Aber auf das pelzige Wesen, das faul auf dem Sofa lag und ihn aus schmalen Augen musterte, war er es nicht. Was jetzt folgt, ist Kirks Missionsbericht: ein Alien über Haustiere – und die vielleicht rätselhafteste aller menschlichen Angewohnheiten.

Denn für einen Varlorner, der von einem geordneten, effizienten Heimatplaneten stammt, ergibt fast nichts an diesem Arrangement einen Sinn. Menschen laden freiwillig eine völlig andere Spezies in ihre Höhle ein, füttern sie, reden mit ihr und behaupten anschließend, es handele sich um ein Familienmitglied. Kirk hat sich Notizen gemacht. Viele Notizen.

Ein Alien über Haustiere: Warum teilt der Mensch sein Zuhause mit einer fremden Spezies?

Kirk-Meme: Ein Alien staunt, dass Kuehe nicht fliegen koennen, waehrend eine Katze auf einem Buecherstapel sitzt - Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Auf Varlor, so berichtet Kirk in seinen Aufzeichnungen, lebt jede Spezies ordentlich für sich. Auf der Erde dagegen öffnet der Mensch seine Tür, zeigt auf ein Sofa und sagt: „Das ist jetzt dein Platz.“ Kirk beobachtet, wie Oma Gerda mit einem Wesen spricht, das anatomisch nachweislich nicht antworten kann – und dabei denselben liebevollen Tonfall verwendet wie bei ihrem Enkel. Aus Sicht eines Aliens ist das entweder ein Zeichen großer emotionaler Reife oder ein logischer Totalausfall. Kirk ist sich bis heute nicht sicher, welches von beidem.

Wer schon einmal gelesen hat, wie ein Alien Menschen beobachtet, kennt Kirks Grundhaltung: erst staunen, dann Bericht schreiben, niemals urteilen. Und beim Thema Haustiere hat er besonders viel zu berichten. Denn der Mensch tut hier etwas, das im gesamten von Varlor vermessenen Universum als einzigartig gilt: Er macht ein Raubtier zum Kuscheltier und nennt es dann auch noch „Fellnase“.

Kirks Missionsbericht: Sieben Beobachtungen über Menschen und ihre Haustiere

Kirk ordnet seine Erkenntnisse gern in nummerierten Protokollen. Was folgt, ist die gekürzte Fassung seines Berichts an die Heimatwelt – sieben Beobachtungen, die er selbst nach Monaten auf der Erde noch nicht vollständig verstanden hat.

1. Der Mensch adoptiert Raubtiere und fühlt sich dabei sicher. Eine Katze, so Kirks Analyse, ist ein perfekt konstruierter kleiner Jäger mit ausfahrbaren Klingen an jedem Fuß. Der Mensch lädt dieses Geschöpf in sein Bett ein und ist gerührt, wenn es schnurrt. Auf Varlor würde man das eine gewagte Risikobewertung nennen.

2. Er spricht mit Wesen, die nicht zurückreden – und erwartet trotzdem Antworten. Kirk hat Oma Gerda dabei ertappt, wie sie den Hund der Nachbarin fragte, ob er „auch ein braver Bub“ sei. Der Hund schwieg. Oma Gerda wertete das Schweigen als Zustimmung. Diese Kommunikationsform – Fragen stellen, sich die Antwort selbst geben – kennt Kirk sonst nur aus menschlichen Dating-Ritualen.

Kirk-Meme: Ein Alien bestellt im Cafe Milch und wundert sich, dass Menschen die Koerperfluessigkeit einer Kuh trinken - Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

3. Er serviert dem einen Tier ein Gourmet-Menü und das andere zum Frühstück. Hier verlieren Kirks Notizen jede Struktur. Der Mensch kauft für seine Katze zartes Filet im Silberschälchen – und trägt gleichzeitig ein Getränk nach Hause, das er aus einer anderen, deutlich größeren Spezies gewonnen hat. Kirks Missionsbericht über „Kuhsaft“ (den man höflich „Milch“ nennt) füllt allein drei Seiten. Wer verstehen will, warum ihn der ganze Supermarkt und das deutsche Essen derart aus der Fassung bringen, findet dort weitere Belege für diese selektive Tierliebe.

4. Er folgt seinem Haustier mit einer kleinen Tüte durch den Park. Diese Beobachtung hat Kirk emotional besonders bewegt. Ein Mächtiger dieser Spezies, so notiert er, bückt sich hinter einem deutlich kleineren Wesen und sammelt dessen Hinterlassenschaften ein – als handele es sich um kostbare Fundstücke. Wer hier wen dressiert hat, ist für einen Außenstehenden nicht eindeutig zu klären.

5. Der Tagesablauf richtet sich nach dem Tier, nicht umgekehrt. Kirk hat gemessen: Menschen stehen früher auf, gehen bei Regen vor die Tür und verlassen fröhliche Feiern vorzeitig – alles, weil ein vierbeiniges Mitglied des Haushalts das so wünscht. Von außen betrachtet, so Kirks vorsichtige Schlussfolgerung, ist keineswegs gesichert, wer hier das Haustier ist.

6. Er feiert Geburtstage – für ein Tier. Kerzen, kleine Hüte, Fotos, die anschließend mit anderen Menschen geteilt werden: Kirk kennt diese seltsamen Rituale bereits von menschlichen Festen. Dass sie nun auch auf Hund und Katze angewendet werden, bestätigt seine These, dass der Mensch jedes Wesen in seiner Nähe früher oder später mit Symbolen überhäuft.

Kirk-Meme: Ein Alien tankt an der Zapfsaeule und glaubt, Menschen betreiben ihre Fahrzeuge mit teurer Dinosaurier-Suppe - Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

7. Und dann ist da noch der ganze Rest des Tierreichs. Sobald Kirk glaubt, das System durchschaut zu haben, zeigt ihm die Erde eine neue Kategorie. Manche Tiere leben im Wohnzimmer. Andere landen auf dem Teller. Wieder andere – und das erschüttert Kirk am meisten – wurden vor Jahrmillionen zu einer zähen Flüssigkeit, die der Mensch heute teuer bezahlt, um damit seine Fahrzeuge zu betreiben. Kirk nennt es „Dinosaurier-Suppe“. Zwischen der geliebten Katze und dem betankten Auto liegt für ihn ein Abgrund an Logik, den auch varlorianische Wissenschaft nicht vermessen kann.

Vom Napf bis zum Tierreich: Wenn ein Alien über Haustiere staunt

Je länger Kirk bei Oma Gerda wohnt, desto klarer wird ihm eines: Die Frage „Warum hält der Mensch Haustiere?“ lässt sich nicht mit Effizienz beantworten. Ein Haustier bringt keine messbare Gegenleistung, es kostet Zeit, Geld und Schlaf. Und trotzdem – oder gerade deshalb – sind Menschen ihren Tieren gegenüber oft wärmer, geduldiger und ehrlicher als untereinander. Das ist der Punkt, an dem Kirks Spott leise wird.

Denn wer versteht, warum Menschen komisch sind, ahnt bereits, worauf Kirk hinauswill: Das Haustier ist vielleicht der Ort, an dem der Mensch am wenigsten schauspielert. Vor einem Hund muss man nicht erfolgreich sein. Vor einer Katze – nun, vor einer Katze ist man ohnehin chancenlos, aber das ist eine andere Geschichte. Kirk hat auf Varlor nie ein Wesen gesehen, das ein anderes bedingungslos umsorgt, ohne einen Vorteil daraus zu ziehen. Auf der Erde ist genau das Alltag. Und langsam, sehr langsam, beginnt der Alien zu verstehen, dass diese scheinbar unlogische menschliche Gewohnheit womöglich das Menschlichste ist, was er bislang dokumentiert hat.

Wie Kirk überhaupt bei Oma Gerda gelandet ist und warum ausgerechnet ihr Wohnzimmer zum Ausgangspunkt seiner Erdmission wurde, erzählt der Roman „Alien im Wunderland“ von Anfang an – zwischen Frankfurt, Kaffee und einer Großmutter, die bei „Kirk“ hartnäckig an Kirk Douglas denkt.

Fazit: Was uns ein Alien über Haustiere lehrt

Ein Alien über Haustiere zu lesen, heißt vor allem, sich selbst mit fremden Augen zu sehen. Kirks Missionsbericht macht sichtbar, wie absurd – und wie rührend – unser Umgang mit Tieren eigentlich ist. Wir teilen unser Bett mit kleinen Raubtieren, reden mit Wesen, die schweigen, und kümmern uns aufopferungsvoll um Geschöpfe, die uns nie ein Dankeschön sagen werden. Von außen betrachtet ist das völlig unvernünftig. Von innen betrachtet ist es Liebe. Und genau in dieser Spannung lebt der ganze Witz von „Alien im Wunderland“.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worum geht es bei „ein Alien über Haustiere“?
Es ist ein humorvoller Blickwinkel aus dem Roman „Alien im Wunderland“: Der außerirdische Beobachter Kirk (eigentlich Xyphor Venthax) staunt darüber, dass Menschen freiwillig andere Spezies in ihren Wohnungen halten, mit ihnen sprechen und sie wie Familie behandeln. Die Haustier-Beobachtungen sind Kirks Kommentare zur Erde – mal spöttisch, mal erstaunlich warmherzig.

Ist „Alien im Wunderland“ ein Roman über Tiere?
Nein. „Alien im Wunderland“ ist ein satirischer Science-Fiction-Roman von Thomas Tausend über einen Außerirdischen, der bei Oma Gerda in Frankfurt landet und die Menschheit von außen betrachtet. Haustiere sind nur eine von vielen menschlichen Eigenheiten, über die Kirk den Kopf schüttelt.

Warum findet ein Alien Haustiere so verwirrend?
Weil sie sich nicht mit Logik erklären lassen. Ein Haustier bringt keinen messbaren Nutzen, kostet aber Zeit und Geld. Für Kirk, der von einem streng effizienten Planeten stammt, ist gerade diese Unvernünftigkeit der interessanteste Teil – sie verrät, wozu Menschen fähig sind, wenn niemand zusieht.

Für wen ist der Roman etwas?
Für alle, die klugen, warmherzigen Humor mögen und Freude daran haben, den eigenen Alltag einmal mit den Augen eines Aliens zu sehen. Wer Douglas Adams oder gesellschaftskritische Satire schätzt, ist bei Kirk richtig.

Kirks bisherige Missionsberichte

Der außerirdische Beobachter hat die Menschheit schon in vielen Lagen ertappt. Hier sind alle bisher veröffentlichten Berichte aus „Alien im Wunderland“:

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