Warum feiern Menschen so viele Feiertage? Weil sich in Jahrtausenden eine Mischung aus Religion, Jahreszeiten, Politik und purem Bedürfnis nach Pause angesammelt hat – und niemand hat je aufgeräumt. Das ist die kurze Antwort. Die lange Antwort liefert Kirk, der Held des Romans „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend: ein Außerirdischer, der als Xyphor Venthax (kurz: Xy) vom Planeten Varlor zur Erde kommt, sich „Kirk“ nennt und bei Oma Gerda in Frankfurt landet. Sein Auftrag: die Menschheit verstehen. Sein Problem: der Kalender.
Kirk führt seinen Missionsbericht gewissenhaft. Aber der Kalender der Erdlinge bringt jeden Analysten an die Grenze: Manche Feste haben ein festes Datum, andere wandern, einige gelten nur in bestimmten Bundesländern, und für ein paar muss man sich erst durch eine Mondphasenregel arbeiten. Willkommen zu Kirks Feldstudie: warum feiern Menschen so viele Feiertage?

Was ist ein Feiertag eigentlich? Eine Definition für Außerirdische
Ein Feiertag ist ein gesetzlich oder religiös festgelegter Tag, an dem die Arbeit ruht und das Kollektiv gemeinsam etwas feiert, betrauert oder gedenkt. In Deutschland gibt es neun bundesweit einheitliche gesetzliche Feiertage. Dazu kommen Feiertage, die nur in einzelnen Bundesländern gelten, etwa Fronleichnam in Hessen oder die Heiligen Drei Könige in Bayern. Je nach Bundesland und Ort sind es also etwa neun bis dreizehn freie Tage im Jahr, die nicht auf einen Sonntag fallen müssen.
Kirk schreibt dazu in sein Notizbuch: „Der Planet hat einen einheitlichen Kalender. Die Bewohner haben sich nicht auf einheitliche Feiertage einigen können.“ Für einen Varlorianer ist das ein kleines Wunder der Ineffizienz – und gleichzeitig der charmanteste Zug der Menschheit.
Warum feiern Menschen so viele Feiertage? Die fünf Ursachen
Kirks Auswertung ergibt fünf Haupttreiber. Sie lassen sich gut als Merkliste zitieren:
- Religion: Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Karfreitag – der Löwenanteil der deutschen Feiertage geht auf das Christentum zurück.
- Jahreszeiten: Viele Feste sind uralte Erntedank-, Sonnenwend- und Frühlingsbräuche, die später umgedeutet wurden.
- Politik und Geschichte: Der 3. Oktober erinnert an die Deutsche Einheit 1990, der 1. Mai an den Tag der Arbeit.
- Regionale Tradition: Was in Bayern frei ist, ist in Hessen ein normaler Arbeitstag – und umgekehrt.
- Das Erholungsbedürfnis: Ein freier Tag ist gesellschaftlich akzeptierte Pause. Niemand muss sich dafür rechtfertigen.
Kirk findet vor allem den letzten Punkt aufschlussreich: Auf Varlor wäre Erholung ein Verwaltungsvorgang. Auf der Erde ist sie ein Gewohnheitsrecht, das man mit Würstchen feiert.
Das Problem mit den beweglichen Festen
Hier beginnt Kirks eigentliche Verzweiflung. Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Von diesem Datum hängen Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern) und Pfingsten (50 Tage nach Ostern) ab. Das Osterdatum wandert deshalb jedes Jahr zwischen Ende März und Ende April.
Kirks Fazit im Missionsbericht: „Ein Fest, dessen Datum man berechnen muss wie eine Raumfahrtroute.“ Oma Gerda zuckt mit den Schultern und schaut einfach im Kalender nach. Der Hinweis, dass sie dafür keinen Mondkalender braucht, ist für Kirk eine Erleichterung und eine Enttäuschung zugleich.

Feiertage, an denen Kirk der Mund offen stehen bleibt
Kirk beobachtet bei jedem Feiertag, was die Erdlinge dabei tatsächlich tun. Seine Kurzfassung:
- An Weihnachten schmücken sie einen abgeschnittenen Baum im Wohnzimmer. Mehr dazu in Kirks Bericht Warum feiern Menschen Weihnachten? und im Missionsbericht vom Weihnachtsmarkt.
- An Silvester kaufen sie Sprengkörper, um das Ende eines Zeitabschnitts zu markieren. Kirk hat das im Silvester-Bericht dokumentiert.
- An Karneval verkleiden sie sich und benehmen sich anders als sonst. Auch dazu gibt es einen eigenen Bericht.
- Beim Oktoberfest wird ein Bierzelt zum Heiligtum, wie Kirk im Oktoberfest-Bericht festhält.
- Und an Geburtstagen zünden sie Kerzen auf einer Torte an – und gratulieren dem Menschen, der den Brand nicht löscht, sondern auspustet.
Wer die religiöse Seite vertiefen möchte, findet Kirks Gedanken in Religion aus Alien-Perspektive, im Bericht Gottesdienst und Fettnäpfchen und in der Frage Hat Jesus nur ein verlängertes Wochenende geopfert?
Der Kalender als Rätsel: Wochentage, Monate, Feiertage
Für Kirk gehören Feiertage zu einem größeren Rätsel: dem irdischen Kalender selbst. Warum heißen die Wochentage nach Göttern? Warum hat der Februar nur 28 Tage? Warum ist der September der neunte Monat, obwohl sein Name auf die Sieben zurückgeht? Kirks Antworten stehen in Sieben vergessene Götter, Der Februar-Bericht und Ein Alien rechnet nach. Wer alle drei gelesen hat, versteht, warum Feiertage so wunderbar unlogisch sein dürfen: Der ganze Kalender ist ein historisches Patchwork.

Feiertage ohne Feiertag: Die Eisheiligen und andere „Heilige“
Besonders amüsiert Kirk, dass es Tage gibt, die weder frei noch gesetzlich sind, aber trotzdem im Sprachgebrauch ein Gewicht haben. Die Eisheiligen Mitte Mai gelten Gärtnern als letzte Frostwarnung. Kirk beobachtet, wie ein Gartenbesitzer um seine Tomaten bangt, und hält fest, dass „Eisheilige“ offenbar nichts mit Eiscreme-Marken zu tun haben. Das sind Kirks Beobachtungen, nicht Szenen aus dem Roman: Der Missionsbericht wächst auch außerhalb des Buches weiter.
Daran sieht man, warum Menschen so viele Feiertage feiern: Es geht oft weniger um den Anlass als um die Gelegenheit. Ein Anlass gibt dem Tag eine Form, und die Form macht ihn zum Treffpunkt.
Feiertage als Zeit mit der Familie – Oma Gerdas Lektion
Oma Gerda erklärt es Kirk auf ihre Weise: Feiertage sind die Tage, an denen man zusammenkommt. Sie sind der Grund, den Kuchen zu backen und die Verwandtschaft anzurufen. Kirk, der als Xy auf Varlor ein ganz anderes Verständnis von Gemeinschaft hatte, macht sich Notizen. Und weil Oma Gerda beim Namen „Kirk“ immer zuerst an Kirk Douglas denkt, erklärt sie ihm auch gleich, dass dieser sicher auch gern Weihnachten gefeiert hat. Kirk beschließt, das nicht zu korrigieren.
Wer mehr über das Verhältnis der beiden erfahren will, findet in „Alien im Wunderland“ den Rahmen dafür. Was daraus wird, bleibt hier ein Geheimnis – ohne Spoiler.
Fazit: Warum Menschen so viele Feiertage feiern
Warum feiern Menschen so viele Feiertage? Kirks Missionsbericht fasst es in einem Satz zusammen: Weil sie Gründe zum Innehalten brauchen und über die Jahrhunderte sehr viele gefunden haben. Religion, Jahreszeiten, Geschichte und Erholung ergeben zusammen einen Kalender, der unlogisch ist und gerade deshalb funktioniert. Die Erdlinge feiern nicht trotz, sondern wegen der Unordnung.
Für einen Außerirdischen ist das schwer zu begreifen. Für uns ist es Alltag. Und genau darin liegt der Humor von „Alien im Wunderland“: Ein Fremder hält uns den Spiegel vor, und wir lachen, weil wir uns erkennen. Mehr über den Roman erfährst du im Beitrag „Alien im Wunderland“ – der Roman.
Du willst Kirk und Oma Gerda selbst erleben?
Den Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend
Häufig gestellte Fragen zu Feiertagen aus Kirks Sicht
Warum feiern Menschen so viele Feiertage?
Menschen feiern viele Feiertage, weil sich religiöse, jahreszeitliche, politische und regionale Traditionen über Jahrhunderte angesammelt haben und weil freie Tage dem Zusammenkommen und der Erholung dienen.
Wie viele gesetzliche Feiertage gibt es in Deutschland?
Bundesweit einheitlich gelten neun gesetzliche Feiertage. Je nach Bundesland kommen weitere hinzu, etwa Fronleichnam oder die Heiligen Drei Könige, sodass es regional bis zu etwa dreizehn sein können.
Warum wandert das Osterdatum jedes Jahr?
Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Weil der Mond nicht zum Kalenderjahr passt, springt das Datum zwischen Ende März und Ende April.
Kommen Feiertage im Roman „Alien im Wunderland“ vor?
„Alien im Wunderland“ ist ein humorvoller Roman über Kirk, der als Alien die Erde und ihre Bräuche erforscht. Die Beobachtungen in diesem Artikel sind Kirks Missionsberichte und Kommentare; welche Szenen im ersten Band stehen, verraten wir bewusst nicht.
