Vegetarismus als Religion – aus Alien-Sicht ist das keine Übertreibung, sondern eine Beobachtung mit Zahlen. Das zumindest behauptet Xyphor Venthax, kurz Xy, der sich auf der Erde „Kirk“ nennt. Er hat Glaubensgemeinschaften studiert, Feiertage gezählt und Kirchenbänke getestet. Und dann saß er am Esstisch einer ganz normalen Familie und erkannte alle Merkmale einer Religion wieder: Speisegebote, Bekenntnisse, Bekehrungseifer und Streit beim Sonntagsbraten. Dieser Artikel ist Kirks Missionsbericht darüber – pointiert, aber mit Augenzwinkern. Wer sich angegriffen fühlt: Kirk meint es nicht böse. Er versteht es nur nicht.
„Alien im Wunderland“ ist ein Roman von Thomas Tausend, in dem ein Außerirdischer in Frankfurt strandet, bei Oma Gerda unterkommt und die Menschheit mit dem Blick eines Forschers betrachtet. Das Thema Ernährung und Glaube gehört zu Kirks liebsten Rätseln. (Und ja: Oma Gerda denkt bei „Kirk“ immer noch an Kirk Douglas.)

Was macht eine Religion aus – und was hat Vegetarismus damit zu tun?
Kirk geht wissenschaftlich vor. Eine Religion besteht aus seiner Sicht aus vier Bausteinen: einem Regelwerk, einer Gemeinschaft, einem Gut-und-Böse-Schema und einem Bedürfnis, andere zu überzeugen. Auf dem Heimatplaneten Varlor gibt es dafür sogar eine eigene Kategorie in der Missionsdatenbank. Wenn er nun auf die Erde schaut und das Phänomen „Vegetarismus als Religion“ untersucht, ergibt sich ein erstaunlich stimmiges Bild.
- Regelwerk: Es gibt klare Gebote. Kein Fleisch, bei manchen auch keine Eier, kein Honig, kein Leder. Wer unsicher ist, konsultiert die Zutatenliste wie andere die Heilige Schrift.
- Gemeinschaft: Es gibt Stammtische, Kochgruppen, Festivals und eigene Läden. Man erkennt einander am Einkaufskorb.
- Gut und Böse: Das Steak ist durchgestrichen, der Salat bekommt den Haken. Ein Bild sagt mehr als tausend Predigten.
- Missionierung: Kein Familienessen ohne mindestens eine Grundsatzdiskussion.
Kirk betont ausdrücklich: Das ist keine Wertung, sondern eine Strukturanalyse. Auf Varlor würde man sagen, dass Vegetarismus alle Kriterien einer Weltanschauung erfüllt – ein Wort, das auf der Erde übrigens harmloser klingt als „Religion“. Kirk ist trotzdem überzeugt, dass Menschen mit klaren Regeln besser durch den Alltag kommen. Er sucht selbst noch seine.
Vegetarismus als Religion: Die Gebote des Speiseplans
Bei seinen Beobachtungen am Esstisch fällt Kirk etwas Entscheidendes auf: Die Glaubensregeln gelten nicht für alle gleichzeitig. Am selben Tisch sitzen Menschen, die das Steak lieben, und Menschen, die es meiden. Die Stimmung schwankt zwischen Toleranz und Grundsatzkonflikt. Kirks Missionsbericht dazu fasst es so zusammen: „Die Erdlinge teilen sich in Gläubige, Zweifler und Fleischesser – und alle drei sitzen beim selben Abendessen.“
Besonders faszinierend findet er den Eifer. Wer von Kirks eigenen Religionsstudien liest (Kirks ehrfürchtiger Bericht über Religion und Kirche), weiß, dass er Begeisterung grundsätzlich schätzt. Ob jemand sonntags in die Kirche geht oder samstags auf den Wochenmarkt: Die Erdlinge tun beides mit Hingabe. Mehr dazu findest du auch in seinem Grundlagentext Religion aus Alien-Perspektive oder in seiner Analyse, was bei einem Abendmahl eigentlich passiert.
Auch das Grillen hat für Kirk Ritualcharakter, mit Feuer, Zange und strenger Rangordnung. Wie ernst die Deutschen das nehmen, hat er in seinem Bericht über das deutsche Feuerritual festgehalten. Die vegetarische Würstchen-Fraktion am Rand des Grills gehört für ihn zwingend dazu: eine Konfession mit eigener Pfanne.

Warum Kirk das „Wurst vom Gärtner“-Rätsel nicht löst
Der größte Knoten in Kirks Analyse sitzt im Wortschatz. Er steht am Marktstand, hält sein Tablet vor eine Gurke und fragt sich, warum Menschen, die keine Wurst essen, trotzdem Wurst im Namen führen. Vegetarische Würstchen, pflanzliche Schnitzel, veganer Käse: Die Erdlinge verbieten sich das Original und kaufen das Nachbild. Für Kirk ist das ein Phänomen, das er in seinem Missionsbericht „Wurst beim Gärtner“ nennt. Es erinnert ihn an Reliquien: Man hat das Wesentliche nicht mehr, will aber die Form behalten.
Wir ergänzen: Kirk hat keinerlei Zweifel daran, dass diese Produkte gut schmecken können. Er hat sie nur nicht verstanden. Auf Varlor heißt ein Nahrungsmittel so, wie es aussieht. Auf der Erde heißt es so, wie es sich anfühlt. Mehr Einblick in Kirks Küchenabenteuer gibt es in seinem kulinarischen Missionsbericht, im Bericht über deutsches Essen und in seiner Ermittlung zu Kuhsaft, die man als Gegenstück zur Pflanzenmilch lesen kann.
Kann man über Ernährung und Glauben lachen? Kirk sagt: unbedingt
Der Vergleich „Vegetarismus als Religion“ ist natürlich eine Zuspitzung. Und eine Zuspitzung ist genau das, was Satire kann. Kirks Blick von außen funktioniert, weil er niemanden verurteilt. Er stellt Fragen, die man sich selbst nicht stellt. Dass Menschen sich ernsthaft über Ernährung streiten, ist für ihn kein Zeichen von Dummheit, sondern von Leidenschaft. Und Leidenschaft ist das, was er an den Erdlingen am meisten schätzt, auch wenn sie ihn regelmäßig verwirrt.
Dazu kommt, dass Kirk als Gast auf der Erde besonders dankbar für klare Hinweise ist. Als er zum ersten Mal in einem Supermarkt vor dem Kühlregal stand (sein Supermarkt-Bericht erzählt davon), musste er drei Verpackungen studieren, um zu verstehen, was drin ist und was nicht. Für einen Beobachter von einem anderen Planeten ist das eine Lektion in Kommunikation: Die Menschen haben so viele Wörter für Essen erfunden, dass sie selbst nicht mehr wissen, welches Etikett zu welcher Überzeugung gehört. Seine Schlussfolgerung für das Missionsprotokoll lautet daher vorsichtig: Wer beim Essen so viele Regeln beachtet, hat offenbar ein starkes Bedürfnis nach Sinn, und das ist ein zutiefst menschlicher Zug, der sehr sympathisch wirkt.
Eine kurze Zusammenfassung, was Kirk aus seinen Beobachtungen mitnimmt:
- Essen ist auf der Erde nie nur Nahrung, sondern immer auch Identität.
- Wer Regeln für sich aufstellt, will sie meistens auch anderen erklären.
- Ein Tisch, an dem verschiedene Überzeugungen sitzen, ist der beste Ort, um Menschen zu studieren.
- Humor hilft: Wer über den eigenen Glaubenssatz lachen kann, hat ihn meistens richtig verstanden.
Fazit: Vegetarismus als Religion – Kirks Missionsbericht endet mit einem Schulterzucken
Ist Vegetarismus also eine Religion? Aus Kirks Sicht erfüllt er viele Merkmale: Regeln, Gemeinschaft, Bekenntnis und Missionseifer. Ob das ein Vorwurf ist, entscheidet jeder selbst. Kirk jedenfalls hat bei seinem Selbstversuch am Esstisch gelernt, dass man mit Salat und Steak gleichzeitig am Tisch sitzen kann, solange niemand die Gabel zu drohend hebt. Wenn du wissen willst, wie er das Frankfurt-Abenteuer, Oma Gerda und die ganze Erde sonst so erlebt, ist der Roman „Alien im Wunderland“ der richtige Einstieg. Eine Übersicht über den Roman gibt es im Cornerstone-Artikel zum Roman.
Du willst Kirk und Oma Gerda selbst erleben?
Den Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend
Häufig gestellte Fragen zu Vegetarismus als Religion aus Alien-Sicht
Ist Vegetarismus wirklich eine Religion?
Nein, Vegetarismus ist eine Ernährungsweise und Weltanschauung, keine Religion im theologischen Sinn. Die Frage ist eine satirische Zuspitzung: Kirk, der Alien-Protagonist aus dem Roman „Alien im Wunderland“, beobachtet Regeln, Gemeinschaft und Bekehrungseifer und vergleicht sie spielerisch mit religiösen Mustern.
Wer ist Kirk in „Alien im Wunderland“?
Kirk ist das Pseudonym von Xyphor Venthax (kurz Xy), einem Außerirdischen, der in Frankfurt bei Oma Gerda landet. Er nennt sich nach Captain Kirk aus Star Trek und beobachtet die Menschheit mit forschendem Blick.
Ist der Artikel gegen Vegetarier gerichtet?
Nein. Der Ton ist humorvoll statt herablassend. Kirk stellt Fragen aus der Außenperspektive und findet alle Esskulturen gleichermaßen rätselhaft, ob mit oder ohne Fleisch.
Wo gibt es den Roman „Alien im Wunderland“?
Der Roman von Thomas Tausend ist bei Amazon erhältlich. Den Link findest du im Kaufhinweis oben im Artikel.
