Ein Alien über Social Media und Internet: Kirks digitaler Missionsbericht

Ein Alien über Social Media und Internet zu beobachten – das ist, als würde man einem Wesen von einem anderen Stern beim Stirnrunzeln zusehen. Genau das passiert in „Alien im Wunderland“, dem satirischen Roman von Thomas Tausend. Xyphor Venthax, von seinen varlorianischen Vorgesetzten kurz „Xy“ gerufen, landet im Auftrag einer fernen Heimatwelt auf der Erde – genauer gesagt in Frankfurt, im Wohnzimmer von Oma Gerda. Auf der Erde gibt er sich den Tarnnamen „Kirk“ (ja, nach diesem Raumschiff-Captain, den er heimlich bewundert). Und was Kirk im digitalen Wunderland der Menschheit vorfindet, lässt selbst einen interstellaren Beobachter ratlos zurück.

In diesem Missionsbericht sammeln wir Kirks erstaunlichste Beobachtungen über das Netz, die sozialen Medien und unser aller Verhältnis zum leuchtenden Rechteck in der Hand. Spoiler: Wir kommen dabei nicht besonders würdevoll weg.

Was ein Alien über Social Media und Internet zuerst auffällt

Stell dir vor, du kommst aus einer Zivilisation, die Informationen telepathisch und verlustfrei austauscht – und landest dann auf einem Planeten, dessen Bewohner ihre kostbarste Lebenszeit damit verbringen, mit dem Daumen nach oben zu wischen. Für Kirk ist das Internet zunächst ein Wunderwerk: ein Planeten-umspannendes Nervensystem, das alles Wissen der Menschheit speichert. Sein Staunen kippt allerdings rasch, als er entdeckt, wofür dieses gewaltige Werkzeug tatsächlich benutzt wird – nämlich für Katzenvideos, Empörung und die ständige Frage, ob er Kekse akzeptieren möchte.

Kirk-Meme: Ein Alien am Computer fragt sich, wo die ganzen akzeptierten Cookies bleiben — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman "Alien im Wunderland"

Kirks erste große Verwirrung gilt einem mysteriösen Ritual: Kaum öffnet er eine Seite, wird er gefragt, ob er „Cookies akzeptieren“ möchte. Als pflichtbewusster Beobachter tut er das natürlich jedes Mal. Tagelang wartet Xy geduldig darauf, dass die versprochenen Backwaren bei Oma Gerda eintreffen. Sie kommen nie. Stattdessen, so notiert er in seinem Bericht, scheint die gesamte Spezies einen Vertrag nach dem anderen abzunicken, ohne ein einziges Wort davon zu lesen – ein Verhalten, das auf Varlor sofort eine Sicherheitsüberprüfung ausgelöst hätte. Wer mehr darüber lesen will, wie menschliche Gewohnheiten aus fremder Sicht wirken, findet dort verwandte Beobachtungen.

Kirks Top-Beobachtungen aus dem digitalen Wunderland

Im Laufe seiner Mission fügt Kirk seinem Protokoll Beobachtung um Beobachtung hinzu. Hier die Höhepunkte seiner digitalen Feldforschung:

1. Bildschirmzeit: 90 Prozent Bildschirm, 10 Prozent Existenzkrise

Kirk-Meme: Menschen im Café starren alle auf ihre Smartphones — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman "Alien im Wunderland"

Kirk besucht mit Oma Gerda ein Café und erwartet ein lebhaftes Ritual des Austauschs. Stattdessen sitzen acht Menschen an Nachbartischen, jeder gebeugt über sein eigenes leuchtendes Rechteck, vollkommen reglos. „Menschen in freier Wildbahn“, protokolliert er trocken, „90 Prozent Bildschirmzeit, 10 Prozent Existenzkrise.“ Faszinierend findet Xy, dass die Geräte zwar dazu da sind, Menschen über Kontinente hinweg zu verbinden – aber dabei zuverlässig diejenigen trennen, die am selben Tisch sitzen. Ähnlich verloren wirkt der Mensch übrigens auch dann, wenn ein Alien versteht Menschen nicht – Kirks Verwirrung hat System.

2. Likes als neue Währung

Auf Varlor existiert kein Geld und schon gar keine Beliebtheitspunkte. Umso rätselhafter ist für Kirk die menschliche Jagd nach „Likes“ – kleinen digitalen Daumen, die offenbar über Glück und Selbstwert ganzer Individuen entscheiden. Er beobachtet, wie Menschen ihr Frühstück fotografieren, bevor sie es essen, wie sie an Aussichtspunkten nicht die Aussicht betrachten, sondern sich selbst davor. Seine nüchterne Schlussfolgerung: Die Erdlinge haben eine zweite, unsichtbare Wirtschaft erschaffen, in der die Währung aus der Zustimmung von Fremden besteht. Das passt erstaunlich gut zu Kirks Erkenntnissen darüber, warum Menschen komisch sind.

3. Konzerte durch den Bildschirm

Kirk-Meme: Konzertbesucher filmen die Bühne durch ihre hochgehaltenen Handys — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman "Alien im Wunderland"

Eine von Kirks liebsten Paradoxien: Menschen geben enorme Summen aus, um live bei einer Musikdarbietung dabei zu sein – nur um das Ereignis dann durch den winzigen Bildschirm ihres Telefons zu betrachten, statt mit den eigenen Augen. Ein ganzes Meer aus erhobenen Geräten, die alle dasselbe aufnehmen, das ohnehin niemand je wieder ansehen wird. Für einen Außerirdischen ist das ungefähr so logisch, wie ein Festmahl zu bestellen, um anschließend ein Foto davon zu essen. Wer Kirks Blick auf weitere eine satirische Betrachtung des Alltags mag, wird hier schmunzeln.

4. Empörung als Volkssport

Das Internet, so stellt Kirk fest, läuft am zuverlässigsten mit einem ganz bestimmten Treibstoff: Empörung. Menschen, die sich nie begegnet sind, streiten leidenschaftlich über Themen, die sie morgen vergessen haben. Algorithmen, erkennt Xy schnell, belohnen nicht das Wahre oder das Schöne, sondern das, was am lautesten aufregt. Eine Spezies, die das Weltall erreichen könnte, verbringt ihre Abende stattdessen damit, Fremden in Kommentarspalten zu erklären, warum diese unrecht haben. Ganz ähnlich ratlos steht Kirk vor der Frage, wie Aliens die Menschheit sehen.

5. Das Internet als kollektives Gehirn – mit Aussetzern

Am meisten beeindruckt Kirk die Idee dahinter: Die Menschheit hat sich ein gemeinsames Gedächtnis gebaut, in dem jede Frage in Sekunden beantwortet wird. Ein Wunderwerk. Nur nutzt sie es, um nachzuschlagen, ob Pinguine Knie haben, und um sich von Werbung erklären zu lassen, was sie als Nächstes kaufen soll. Kirk hält fest: Das Werkzeug ist göttlich, der Gebrauch ist – nun ja – menschlich. Diese Spannung zwischen Genie und Alltag zieht sich durch was ein Alien über Menschen denkt ebenso wie durch Kirks Bericht über das Netz.

Warum ein Alien über Social Media und Internet so viel zu lachen (und zu staunen) findet

Der eigentliche Trick von „Alien im Wunderland“ ist, dass Kirk uns nie auslacht. Er beobachtet, notiert, wundert sich – und genau dieser unschuldige, fremde Blick hält uns den Spiegel vor. Wenn ein Alien über Social Media und Internet schreibt, klingt das, was wir für völlig normal halten, plötzlich vollkommen absurd: Wir akzeptieren Verträge ungelesen, jagen nach unsichtbaren Punkten und filmen Erlebnisse, statt sie zu erleben. Der Roman ist damit weit mehr als eine Alien-Komödie – er ist eine liebevolle Gesellschaftssatire über das, was uns das digitale Zeitalter angetan hat, verpackt in den herzerwärmenden Alltag zwischen Xy, Oma Gerda und der Stadt Frankfurt.

Und keine Sorge: Wie Kirks Mission ausgeht, welche überraschenden Wendungen auf ihn warten und wer ihm dabei noch begegnet, wird hier natürlich nicht verraten. Das digitale Wunderland ist nur einer von vielen Schauplätzen, an denen der Roman seinen Humor entfaltet – vom Supermarkt über die Kirche bis zum Frankfurter Berufsverkehr.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worum geht es in „Alien im Wunderland“?

„Alien im Wunderland“ ist ein satirischer Science-Fiction-Roman von Thomas Tausend. Der Außerirdische Xyphor Venthax („Xy“), der sich auf der Erde „Kirk“ nennt, landet in Frankfurt bei Oma Gerda und beobachtet die Menschheit mit fremdem Blick – inklusive ihres seltsamen Verhältnisses zu Social Media und Internet.

Was denkt das Alien über Social Media und Internet?

Kirk hält das Internet für ein technisches Wunderwerk, ist aber fassungslos darüber, wofür Menschen es nutzen: ungelesen Cookies akzeptieren, Likes als Währung jagen, Konzerte durch den Handybildschirm filmen und sich in Kommentarspalten empören. Sein Fazit: göttliches Werkzeug, sehr menschlicher Gebrauch.

Ist der Roman für Science-Fiction-Muffel geeignet?

Ja. „Alien im Wunderland“ ist in erster Linie eine humorvolle Gesellschaftssatire. Das Science-Fiction-Element ist der Anlass, nicht der Schwerpunkt – im Mittelpunkt steht der liebevoll-komische Blick auf den ganz normalen Wahnsinn des Alltags.

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