Missionsbericht eines Außerirdischen, der seit Jahren auf eurem Planeten festsitzt und immer noch keine Ahnung hat, was ihr da eigentlich treibt.
Du willst Kirk und Oma Gerda selbst erleben?
Den Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend
Wenn ein Alien Menschen nicht versteht – willkommen in meiner Welt
Schreibt euch das hinter eure Ohrmuscheln: Ein Alien versteht Menschen nicht. Punkt. Nicht ein bisschen, nicht teilweise, nicht „mit der Zeit schon“ – sondern überhaupt nicht. Ich weiß, wovon ich rede. Mein Name ist Xyphor Venthax, geboren auf Varloria-7, beruflich auf der Erde unterwegs unter dem dezenten Pseudonym „Kirk“. (Warum gerade Kirk? Weil ich euren legendären Sternenfahrer aus den Schwarz-Weiß-Aufnahmen wirklich beeindruckend finde. Oma Gerda denkt zwar immer an einen ölgegerbten Schauspieler mit Grübchen, aber das ist eine andere Geschichte.)
Mein Auftrag war ursprünglich simpel: Erdlinge beobachten, Daten sammeln, nach Hause funken. Was nicht im Briefing stand: Dass ich nach Jahren in Frankfurt zwar fließend Hessisch fluche, aber immer noch keine Ahnung habe, warum ihr macht, was ihr macht. Dieser Artikel ist mein ehrlicher Zwischenstand. Eine Sammlung an Verhaltensweisen, bei denen jeder Außerirdische, der Menschen nicht versteht, nur ratlos die Antennenspitzen zucken kann.
Wer übrigens wissen will, wie es überhaupt dazu kam, dass ich hier zwischen euch Pfandflaschen sortiere – das steht alles im Roman „Alien im Wunderland“. Ich empfehle ihn nicht aus Eitelkeit, sondern aus Selbstschutz. Wenn ihr ihn lest, müsst ihr mir die ganzen Dinge unten nicht mehr persönlich erklären.
1. Eure Sprache: doppelter Boden, doppelte Bedeutung, halbe Verständigung

Beginnen wir mit dem Klassiker. Auf Varloria-7 läuft Kommunikation über klare Bedeutungseinheiten. Ein Wort bedeutet ein Ding. Fertig. Auf der Erde dagegen sagt eine Frau zu mir auf der Straße: „Darf ich Sie im Namen der Wissenschaft nackt fotografieren?“ – und meint damit irgendeinen Versuch, mich abzuschleppen. Ich hatte den Fotoapparat schon ausgepackt.
Das ist nur die Spitze des Eisbergs. „Ich komme gleich“ bedeutet bei euch alles zwischen drei Sekunden und drei Stunden. „Das musst du mir nicht zweimal sagen“ sagt man, wenn man möchte, dass man es zweimal sagt. „Ich kann mich nicht beklagen“ leitet eine zehnminütige Beklagung ein. Wer behauptet, eure Sprache sei logisch, hat noch nie versucht, einen Hessen bei Schnitzel und Apfelwein zu verstehen. Ich habe Listen geführt. Die menschlichen Gewohnheiten aus fremder Sicht beginnen schon beim ersten Satz.
2. Stoßlüften: Erdlinge als Schamanen der Windgötter

Mehrmals täglich versammeln sich Erdlinge, öffnen mit ernster Miene sämtliche Fenster gleichzeitig, drei Minuten lang. Niemand spricht. Niemand bewegt sich. Es herrscht eine kultische Stille, nur unterbrochen von Oma Gerdas Mantra „sonst gibt’s Schimmel“. Ich habe lange recherchiert. Es gibt keinen Schimmel-Gott, soweit ich feststellen konnte. Trotzdem wird das Ritual befolgt, als hänge die Existenz des Universums davon ab.
Auf Varloria-7 regelt das eine Klimaeinheit in Mikrosekunden. Bei euch öffnet man Fenster, schließt sie wieder, öffnet sie nachts „auf Kipp“, schließt sie morgens, weil „die kalte Luft sonst rein zieht“ und öffnet sie zur Mittagszeit wieder. Wenn das keine Kosmologie ist, dann weiß ich es auch nicht. Diese Beobachtung ist übrigens nur eine von vielen, die ihr im Detail in meinem Bericht „Erde aus Alien-Perspektive“ nachlesen könnt.
3. Fitnessstudios: Bezahlen, um etwas zu tun, das man eigentlich vermeidet

Erdlinge bauen Aufzüge, Rolltreppen, motorisierte Fortbewegungsmittel, automatische Türen und elektrische Zahnbürsten. Jede Form von Anstrengung wird sorgfältig wegtechnologisiert. Dann fahren sie mit dem Auto in ein Gebäude namens „Fitnessstudio“ und bezahlen monatlich Geld dafür, dort schwere Metallscheiben zu heben, die niemand vom Boden weghaben will.
Manche treten dort auf Pedalen, die mit nichts verbunden sind. Andere laufen auf Bändern, die unter ihren Füßen weggezogen werden, damit sie auf der Stelle bleiben. Es ist, als würdet ihr ein Raumschiff bauen und es dann anketten, damit es nicht losfliegt. Wenn euch jemand fragt, warum Menschen komisch sind, fangt am besten hier an.
4. Wetter-Smalltalk: Daten austauschen, die alle schon haben
Jeder Bewohner dieses Planeten verfügt heute über ein kleines Glasrechteck, das in Echtzeit Wetterdaten anzeigt. Trotzdem beginnt jede zwischenmenschliche Begegnung mit einer mündlichen Übertragung dieser Daten. „Schönes Wetter heute.“ „Ja, aber gestern war’s noch frisch.“ „Morgen soll’s regnen.“ Ich habe nie erlebt, dass jemand antwortet: „Falsch, der Tiefdruck zieht ostwärts ab.“ Es ist ein Tanz, kein Informationsaustausch.
Auf meinem Heimatplaneten wäre das mit drei Tönen erledigt. Ich vermute mittlerweile, dass es bei euch nicht ums Wetter geht, sondern um eine sanfte Form der Existenzbestätigung. „Du bist da. Ich bin da. Das Wetter ist da. Alles in Ordnung.“ Eine Art freundliches Brummen, das man austauscht, weil man sonst nicht weiß, was man tun soll. Mehr darüber, wie ich als Alien Menschen beobachtet habe, gibt es in einem ausführlicheren Bericht.
5. Kaffee mit Löffel: das Ritual ohne ersichtlichen Zweck
Erdlinge schütten ein dunkelbraunes Getränk in eine Tasse, rühren mit einem Löffel um, entnehmen den Löffel und trinken die Flüssigkeit. Der Löffel hat keinerlei nachweisbare Funktion. Die Tasse ist klein genug, dass eine kreisende Handbewegung dieselbe Wirkung hätte. Trotzdem wird der Löffel mitgeliefert. Trotzdem wird gerührt. Trotzdem wird der Löffel entfernt. Wer es vergisst, zieht sich beim Trinken eine kleine Augenverletzung zu.
Ich habe Oma Gerda gefragt. Ihre Antwort: „Das macht man halt so.“ Das ist, wissenschaftlich gesehen, keine Antwort. Es ist die menschliche Variante eines Reset-Knopfs für Fragen, die man nicht beantworten will. Wenn ihr verstehen wollt, was ein Alien über Menschen denken würde – das hier. Genau das.
6. Pfandflaschen: leere Behälter als Währung
Ihr stellt leere Flaschen vor eure Haustüren. Andere Erdlinge sammeln sie ein und tauschen sie an einem Automaten gegen Geld. Geld, das aus eurer eigenen Tasche stammt, weil ihr es beim Kauf der Flasche vorab bezahlt habt. Das ganze System ist eine Tauschwährung, die ihr euch selbst gebt, mit der Erwartung, dass jemand anderes es aufhebt. Es ist gleichzeitig ein Recyclingsystem, ein Sozialprogramm und ein Spiel. Ich liebe es. Ich verstehe es nicht.
In meinem Bericht „Wie würden Aliens die Menschheit sehen“ habe ich das Pfandsystem zu einem ganzen Kapitel ausgebaut. Es ist, neben dem Stoßlüften, das beste Argument dafür, dass eure Spezies in Wirklichkeit eine spielerische ist, die nur so tut, als sei sie ernsthaft.
7. Bonus: Trinkgeld als Höflichkeitsalgorithmus
Der Preis steht auf der Karte. Ihr bezahlt diesen Preis, plus einen frei wählbaren Aufschlag, dessen Höhe von eurer Laune, eurer Schamgrenze, dem Lächeln der Bedienung und der Tageszeit abhängt. In den Vereinigten Staaten ist der Aufschlag fast verpflichtend, in Frankreich gilt er als Beleidigung, in Frankfurt mache ich mir alle drei Wochen einen neuen Plan. Ein Alien versteht Menschen nicht, wenn sie freiwillig mehr Geld zahlen, ohne dass jemand Pistolen zieht.
Warum ein Alien Menschen nicht versteht – und es trotzdem liebt
Hier kommt die Wendung, die ihr nicht erwartet habt: Ich finde es großartig. Genau diese Unlogik, dieses warme Chaos, dieses überflüssige Rühren mit dem Löffel – das ist es, was euch interessant macht. Auf Varloria-7 funktioniert alles. Auf der Erde funktioniert vieles nicht, und ihr macht es trotzdem, weil es schön ist, weil es Tradition ist, weil Oma Gerda das schon so gemacht hat. Das ist nicht effizient. Aber es ist menschlich, und nach einigen Jahren hier muss ich zugeben: Das ist auch eine Form von Genie.
Wer mehr von dieser unfreiwilligen Anthropologie haben will, dem empfehle ich folgenden Pflichtkanon: meine Analyse des deutschen Essens, meinen Versuch, das Genre der Science-Fiction-Satire auf Deutsch zu erklären, sowie mein durchaus selbstkritisches Stück über Romane aus Alien-Perspektive. Wer den Roman lieber als Buchprojekt versteht, findet alles Wichtige in „Alien auf der Erde – das Buch“.
Das Geschenk für alle, die ein Alien beim Nicht-Verstehen begleiten wollen
Falls ihr jemanden im Bekanntenkreis habt, der gerne über die Absurditäten des Alltags lacht, gibt es eine sehr naheliegende Lösung: meinen Roman verschenken. Ich bin hier durchaus parteiisch, aber die Argumente listen meine Mit-Erdlinge in den Beiträgen „Lustiges Buch verschenken“, „Humorvolles Geschenk für Leseratten“ und der aktuellen witzigen Buch-Empfehlung 2026 ohnehin schon ausführlich auf. Ich muss nur noch hinzufügen: Es funktioniert. Ich habe diesen Roman bereits an drei Nachbarn verschenkt, und seither sagen sie „Heil und Segen“ zu mir, wenn ich an ihren Türen vorbeigehe. Das ist auf Varloria-7 ein hohes Lob.
FAQ – Die häufigsten Fragen, wenn ein Alien Menschen nicht versteht
Warum versteht ein Alien Menschen nicht, obwohl es ihre Sprache spricht?
Weil Sprache nur die Verpackung ist. Das eigentliche Verständnis kommt aus geteilter Erfahrung, gemeinsamer Geschichte und vielen tausend Stunden Kaffee mit Löffel. „Alien im Wunderland“ zeigt, dass selbst perfekte Übersetzung nicht ausreicht, wenn die Logik dahinter eine andere ist.
Ist „Alien im Wunderland“ ein Science-Fiction-Roman oder eine Satire?
„Alien im Wunderland“ ist beides: ein Science-Fiction-Roman mit nanotechnologischer Verwandlung und kosmischer Mission, gleichzeitig eine herzliche Satire auf den deutschen Alltag. Wer das genauer einordnen will, findet im Beitrag über die Menschheit aus Alien-Sicht mehr Details.
Warum nennt sich Xyphor Venthax ausgerechnet „Kirk“?
Weil Xy ein großer Bewunderer des berühmten Sternenfahrers aus den irdischen Fernseharchiven ist. Es ist ein Pseudonym, kein Rang. Oma Gerda denkt bei „Kirk“ allerdings hartnäckig an einen Schauspieler mit Grübchen – eine Verwechslung, die im Roman immer wieder für Komik sorgt.
Für wen ist dieser Roman geeignet?
„Alien im Wunderland“ eignet sich für Leserinnen und Leser, die humorvolle Science-Fiction lieben, deutsche Alltagskomik schätzen und Spaß daran haben, sich selbst durch fremde Augen zu betrachten. Auch ein perfektes Geschenk für alle, die zu viel Realität ertragen müssen und ein paar Stunden Distanz brauchen.
Fazit: Wer Menschen verstehen will, fängt am besten damit an, sie nicht zu verstehen
Wenn ein Alien Menschen nicht versteht, ist das kein Defizit – es ist die richtige Ausgangslage. Ihr selbst versteht euch ja auch nicht. Ihr macht trotzdem weiter, baut Aufzüge, hebt Hanteln, sortiert Pfandflaschen, redet übers Wetter, lasst den Löffel im Kaffee. Ich finde das wunderschön. Ich werde meinem Heimatplaneten weiterhin Berichte schicken, in denen ich behaupte, ich hätte alles im Griff. Aber zwischen uns gesagt: Hab ich nicht. Und genau das ist der Plot von „Alien im Wunderland“.
Wer den Roman jetzt lesen will, findet ihn überall im Buchhandel sowie direkt auf buecher.tausend.net. Heil und Segen – wie Oma Gerda sagen würde. Und vergesst beim Stoßlüften nicht das Mantra.
