Oma Gerda in „Alien im Wunderland“: Die Rentnerin, die ein Alien anfuhr – und behielt

Es gibt Romanfiguren, die eine Geschichte tragen, ohne je die Hauptrolle zu beanspruchen. Oma Gerda ist so eine Figur. Wer nach oma gerda alien im wunderland sucht, meint fast immer dieselbe Frau: die nordhessische Rentnerin aus dem Roman „Alien im Wunderland“ von Thomas Tausend, die eines Tages einen Außerirdischen anfährt – und ihn anschließend nicht etwa der Polizei übergibt, sondern mit nach Hause nimmt.

Dieser Artikel stellt sie vor: ihre Herkunft, ihre Rolle im Roman, ihren ganz eigenen Humor – und die Frage, warum ausgerechnet eine Frau mit Perlenkette und Kittelschürze die vielleicht wichtigste Figur des Buches ist. Keine Sorge: Es folgen keine Spoiler. Nur das, was man wissen darf, bevor man selbst anfängt zu lesen.

Kirk-Meme: Oma Gerda faehrt Mercedes ohne Fuehrerschein — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Wer ist Oma Gerda in „Alien im Wunderland“?

Oma Gerda heißt mit vollem Namen Gerda Rauschenberg. Sie ist verwitwet, lebt in Nordhessen und war vierzig Jahre lang Krankenschwester. Sie fährt den Mercedes ihres verstorbenen Mannes – einen Führerschein hält sie dabei für eine Formalität, die andere Leute brauchen. Sie ist warmherzig, direkt, pragmatisch und vollkommen unbeeindruckt davon, dass in ihrem Gästezimmer plötzlich ein Wesen von einem anderen Planeten sitzt.

Genau darin liegt ihre Funktion im Roman: Sie ist die Erdung. Während der Protagonist Xyphor Venthax – kurz Xy, auf der Erde nennt er sich Kirk – jede menschliche Selbstverständlichkeit in ihre absurden Einzelteile zerlegt, sagt Gerda einfach: „Iss erst mal was.“ Sie erklärt die Welt nicht. Sie führt sie vor.

Die Konstellation ist so einfach wie tragfähig: ein Außerirdischer, der die Menschheit beobachtet, und eine alte Dame, die ihm ungefragt beim Menschwerden hilft. Wer wissen will, wie die beiden zusammenkommen, findet die Szene in unserem Artikel über den ersten Kontakt zwischen Kirk und Oma Gerda.

Der Zusammenstoß, mit dem alles beginnt

Der Roman startet im Kapitel „Das Erwachen“. Xy landet in der hessischen Provinz – nicht in Washington, nicht in Peking, sondern dort, wo die Dörfer rund um den Edersee liegen. Und die erste Vertreterin der Spezies Mensch, der er begegnet, sitzt hinter dem Steuer eines älteren Mercedes.

Der Rest ist Physik. Gerda fährt ihn an.

Was danach passiert, ist der eigentliche Charaktertest: Eine andere Figur hätte geschrien, die Behörden gerufen oder Gas gegeben. Gerda tut das, was vierzig Jahre Pflegedienst aus einem Menschen machen – sie kümmert sich. Diese Reaktion ist der Motor des gesamten Romans. Ohne sie gäbe es keine Geschichte, sondern nur einen Verkehrsunfall.

Dass Kirk später selbst versucht, sich hinters Steuer zu klemmen, ist eine eigene Katastrophe – nachzulesen in Kirks Missionsbericht vom Steuer.

Kirk-Meme: Kirk sieht zum ersten Mal seinen Menschenkoerper im Spiegel — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Vierzig Jahre Krankenschwester: die Frau, die schon alles gesehen hat

Gerdas Berufsbiografie ist kein Beiwerk, sondern die Erklärung für ihre Gelassenheit. Wer vier Jahrzehnte im Schichtdienst gearbeitet hat, hat Menschen in jedem denkbaren Zustand erlebt. Ein grauhäutiges Wesen mit zu großen Augen ist da eher eine Abwechslung als ein Schock.

Diese Vorgeschichte gibt dem Roman auch seine leiseren Töne. „Alien im Wunderland“ ist eine Satire, aber keine kalte. Zwischen den Pointen über deutsches Essen, Behörden und Fernsehwerbung steht immer wieder eine Frau, die weiß, was Arbeit kostet und was sie einbringt.

Kirk-Meme: Kirk vergleicht das Gehalt einer Pflegekraft mit seinem Verdienst als lebende Statue — Aus dem Roman Alien im Wunderland
Aus dem Roman „Alien im Wunderland“

Kirk selbst zieht daraus eine seiner schärfsten Beobachtungen: Als lebende Statue reglos herumzustehen wird auf diesem Planeten offenbar besser vergütet als das Am-Leben-Halten anderer Menschen. Wie er überhaupt zum Straßenkünstler wird, ist eine eigene Geschichte – die Rechnung dahinter bleibt trotzdem stehen. Es ist typisch für den Roman, dass die politischste Aussage des Buches aus dem Mund eines Wesens kommt, das eigentlich nur eine Frage gestellt hat.

Kirk Douglas und das Missverständnis, das nie aufhört

Xy wählt seinen Tarnnamen mit Bedacht: „Kirk“, nach dem Captain aus einer Fernsehserie, die er für eine Dokumentation hält – ein Irrtum, den wir in unserem Artikel darüber, was Aliens aus unserem Fernsehen lernen, ausführlich auseinandernehmen.

Nur denkt Oma Gerda bei „Kirk“ nicht an Raumschiffe. Sie denkt an Kirk Douglas. Und sie bleibt dabei. Dieser Running Gag ist mehr als ein Witz: Er zeigt in einem einzigen Wort, wie zwei Generationen und zwei Zivilisationen aneinander vorbeireden, ohne dass es jemandem schadet. Kirk hält sich für einen Sternenflottenoffizier. Gerda hält ihn für einen Hollywoodschauspieler. Beide sind zufrieden.

Nebenbei ist Gerda damit auch Kirks Sprachlehrerin. Ihr nordhessischer Tonfall prägt sein Deutsch – wer sich fragt, wie das klingt, findet in unserem hessischen Sprachkurs mit Kirk reichlich Anschauungsmaterial.

Warum Oma Gerda in „Alien im Wunderland“ die heimliche Hauptfigur ist

Satiren über die Menschheit haben ein Problem: Sie werden leicht zynisch. Wenn eine Figur alles hinterfragt, was wir tun, bleibt am Ende oft nur Verachtung übrig. Genau das verhindert Gerda.

Sie ist der Gegenbeweis. Kirk kann noch so gründlich nachweisen, dass unsere Rituale unlogisch, unsere Wirtschaftsordnung absurd und unsere Gefühlswelt unmöglich zu kartieren ist – solange in der Küche eine Frau steht, die einem Fremden ohne Gegenleistung ein Zimmer gibt, stimmt die Bilanz der Menschheit trotzdem nicht ganz so schlecht.

In der Erzähllogik übernimmt sie damit drei Aufgaben gleichzeitig:

  • Übersetzerin: Sie erklärt Kirk die Erde – unvollständig, aber liebevoll.
  • Kontrast: Ihre Bodenständigkeit macht Kirks Analysen erst komisch.
  • Moralischer Anker: Sie verhindert, dass die Gesellschaftskritik des Romans in bloße Häme kippt.

Man könnte es so zusammenfassen: Kirk liefert die Fragen, Gerda liefert den Grund, warum sich die Antworten lohnen.

Oma Gerda als Figurentyp: die deutsche Großmutter als Weltdeuterin

Literarisch steht Gerda in einer erkennbaren Tradition. Der Roman gehört in das Regal der humorvollen Science-Fiction, in der ein fremdes Wesen auf einen liebenswert schrulligen Erdenmenschen trifft. Neu ist der Ort: keine Metropole, sondern die hessische Provinz. Und neu ist die Besetzung: keine junge Heldin, sondern eine Rentnerin mit Kittelschürze und Meinung.

Das erzeugt einen doppelten Kulturschock: Kirk versteht die Menschen nicht – und die Menschen verstehen Kirk nicht. Gerda steht genau dazwischen und hält beide Seiten für im Grunde vernünftig. Dass ein geschlechtsloses Wesen von einem fernen Planeten ausgerechnet in einem nordhessischen Gästezimmer landet, ist der beste Witz des Buches – und sein wärmster Gedanke.

Fazit: Warum sich Oma Gerda aus „Alien im Wunderland“ lohnt

Oma Gerda ist in „Alien im Wunderland“ nicht die Nebenfigur, sondern das Herz des Romans. Gerda Fürst, vierzig Jahre Krankenschwester, verwitwet, mit einem Mercedes und ohne Führerschein unterwegs, verwandelt eine scharfe Gesellschaftssatire in eine Geschichte, die man gerne zu Ende liest. Sie liefert Kirk das Dach über dem Kopf, die Sprache, den Namen – und ganz nebenbei den Beweis, dass sich der ganze Planet vielleicht doch lohnt.

Wer den Roman gelesen hat, erinnert sich an Kirks Pointen. Wer ihn zu Ende gelesen hat, erinnert sich an Gerda.

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Häufig gestellte Fragen zu Oma Gerda aus „Alien im Wunderland“

Wer ist Oma Gerda in „Alien im Wunderland“?

Oma Gerda heißt mit vollem Namen Gerda Fürst. Sie ist eine verwitwete Rentnerin aus Nordhessen, war vierzig Jahre lang Krankenschwester und nimmt den außerirdischen Protagonisten Xyphor Venthax bei sich auf, nachdem sie ihn mit dem Auto angefahren hat.

Warum nennt Oma Gerda den Außerirdischen „Kirk“?

Xy wählt den Namen „Kirk“ selbst – in Anlehnung an Captain Kirk aus „Star Trek“, den er für eine reale historische Figur hält. Oma Gerda denkt bei dem Namen jedoch an den Schauspieler Kirk Douglas. Dieses Missverständnis zieht sich als Running Gag durch den Roman.

Hat Oma Gerda einen Führerschein?

Nein. Sie fährt den Mercedes ihres verstorbenen Mannes seit Jahrzehnten ohne gültige Fahrerlaubnis – ein Umstand, der im Roman für Komik sorgt und zugleich die Ausgangssituation der Handlung erst möglich macht.

Ist „Alien im Wunderland“ ohne Vorwissen lesbar?

Ja. „Alien im Wunderland“ ist ein in sich abgeschlossener satirischer Science-Fiction-Roman von Thomas Tausend. Vorkenntnisse über Science-Fiction sind nicht nötig – wer schon einmal in einem deutschen Amt gewartet oder eine Fernsehwerbung gesehen hat, bringt genug mit.

Wo spielt der Roman?

Der Roman beginnt in der nordhessischen Provinz rund um den Edersee, wo Xy landet und auf Oma Gerda trifft. Später führt ihn seine Erkundung der Menschheit unter anderem nach Frankfurt.

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